Markus Poschner dirigiert einen fulminanten ROSENKAVALIER im Musiktheater Linz

Erica Eloff als resignative Marschallin in DER ROSENKAVALIER am Musiktheater Linz © Thilo Beu

In der aktuellen Saison 2025/26 gibt es im Musiktheater Linz eine Neuproduktion von DER ROSENKAVALIER, der Komödie für Musik in drei Aufzügen mit dem Text von Hugo von Hofmannsthal und der Musik von Richard Strauss. Und die Reise nach Linz lohnt dieses Mal vor allem wegen der außerordentlichen musikalischen Umsetzung.

Markus Poschner am Pult des mit Herz und Seele musizierenden, hervorragend in allen Instrumentengruppen disponierten Bruckner Orchesters Linz, das bei seinem rasanten Dirigat einen ungemein silbrigen Schimmer aufleuchten lässt, entfaltet in der Vorstellung am 11. Jänner 2026 die ganze Herrlichkeit der Strauss’schen Klangpalette. Seine Tempi changieren gekonnt zwischen zügig rauschhaft und melancholisch innehaltend, seine sinnliche Interpretation ist immer transparent flüssig, den Parlando-Ton des Werkes nahezu perfekt umsetzend. Detailverliebt präzise führt er durch die kostbare Partitur, trägt die Sänger:innen vorbildlich durch den Abend. Als ein ausgewiesener Könner am Pult, der er uneingeschränkt ist, streichelt Poschner das Orchester nahezu, lässt es im berühmten Walzer zum Schluss des zweiten Aktes nur so schweben, und gipfelt seine Interpretation im Verein mit drei hervorragenden Stimmen im Strauss’schen Klangsensualismus des abschließenden Terzetts und Duetts.

Auf der Bühne ist ein kompaktes wie homogenes Ensemble zu hören. Bemerkenswert, dass alle Rollen aus dem Ensemble besetzt werden können. Angeführt von Erika Eloff als in stimmlicher Blüte stehender, mit edler, wunderbar geführter Sopranstimme ausgestattete Feldmarschallin Fürstin von Werdenberg: mit vornehmer Noblesse und höchst würdevoller Rollengestaltung bestechend, verkörpert sie diese in ihrer Gestaltung eher traurige Frau, der das Loslassen doch schwerfällt, mit schwerelosem, herbstlich eingefärbtem Soprangesang. Ihr am nächsten kommt Fenja Lukas als bezaubernde Sophie mit klarem, innig zartem Sopran, den sie auch durchaus strahlen lässt. Manuela Leonhartsberger als Octavian gefällt mit ansprechendem, schön timbrierten, im Laufe des Abends immer voller und stärker werdenden Mezzosopran, da blitzt zwischendurch ein leidenschaftlicher Octavian mit Jubelton durch. Nach anfänglicher Zurückhaltung findet auch Michael Wagner als Baron Ochs von Lerchenau mehr und mehr in seine Rolle als saftig polternder, echter, landadeliger Don Juan, das kavalierhafte nie vergessend. Alexander York ist ein präsenter Herr von Faninal. Als Annina und Valzacchi aufgeboten sind Vaida Raginskyte und Christian Drescher, Gotho Griesmeier als Leitmetzerin und Gregorio Changhyun Yun als Polizeikommissar. 

Moderne Zeitlosigkeit prägt die über den Prozess des Alterns räsonierende Inszenierung von Hermann Schneider, Bühne von Dieter Richter, Kostüme von Meentje Nielsen, Lichtdesign von Johann Hofbauer, für die Dramaturgie ist Christoph Blitt verantwortlich. Die Regiearbeit wirkt wie eine Reise durch die Zeiten: traditionell das Rokoko-Schlafzimmer der Marschallin und Faninals Jugenstil-Palais, das gemeine Beisl im dritten Akt weicht einem modernen Clubkeller. Der Kammerdiener Mohammed ist politisch korrekt natürlich kein Knabe mit schwarzer Hautfarbe, sondern ein Faktotum namens Loris, das durch die Szenerie geistert, im dritten Akt auch als Discjockey fungiert, gespielt von Christine Hinterkörner. Personenregie und Personenführung sind vorbildlich exakt aus Text und Musik entwickelt. Dass sich die Marschallin – mit großem Auftritt im knallroten Sportwagen vorfahrend im dritten Aufzug – schon resignativ in den Lauf der Dinge fügt, im Grunde ohne Kampf auf ihre Liebe und Octavian verzichtet, wird selten so deutlich als in dieser Regiearbeit. Weniger überzeugt das mitunter belanglose Bühnenbild, noch weniger manches nicht gerade von Ästhetik geprägte Kostüm.

Nach der Aufführung gibt es lautstarke Zustimmung vom Publikum für alle Ausführenden.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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