Petr Popelka und die Wiener Symphoniker mit Musik von Johannes Brahms und Franz Schubert zum Saisonende im Wiener Konzerthaus

Yulianna Avdeeva und Petr Popelka nach dem ersten Klavierkonzert von Johannes Brahms in der Matinee der Wiener Symphoniker am 21. Juni 2026 im Wiener Konzerthaus © Thomas Rauchenwald

Musik von Johannes Brahms stand in den Monaten Mai und Juni 2026 im Blickpunkt im Wiener Konzerthaus. Nachdem Beatrice Rana ihre Mitwirkung aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, tritt Yulianna Avdeeva als Solistin auf und spielt zu Beginn der Matinee der Wiener Symphoniker unter ihrem Chefdirigenten Petr Popelka am 21. Juni 2026 im Großen Konzerthaussaal anstelle von Brahms‘ zweitem Klavierkonzert dessen Klavierkonzert Nr. 1 d-moll op. 15 – ein Werk, das eng mit den engen Beziehungen des jungen Komponisten zum Ehepaar Clara und Robert Schumann verknüpft ist.

Den düster dämonischen Kopfsatz, angeblich unter dem Eindruck des Suizidversuches von Robert Schumann entstanden, gestaltet die aus Moskau stammende Pianistin, nach zarter Einleitung, ungemein kraftvoll, vollgriffig, unter gezielt gekonntem Einsatz des Pedals, auf einem selten warm und weich gestimmten Steinway-Flügel mit edlem Klang. Den langsamen, zweiten Satz, von Brahms, der in dieselbe Frau wie Schumann verliebt war, als „sanftes Portrait Clara Schumanns konzipiert, interpretiert sie ungemein impressionistisch angehaucht, was der lyrischen Musik eine eigene, besondere Note verleiht. Das Finale, ein schwungvolles Rondo, gerät ihr dann fließend, perlend, mit wunderbar leidenschaftlichem Ausklang. Als Zugabe gibt es noch ein ausgesprochenes Klavierstück, das Präludium d-moll BWV 875 aus „Das wohltemperierte Klavier“, Band II, von Johann Sebastian Bach.

Leidenschaft, vorwärtsdrängend, dynamisch differenziert, prägt auch das Orchesterspiel der Wiener Symphoniker an diesem Vormittag, sowohl bei Brahms‘ gewaltiger Symphonie mit obligatem Klavier, das bei diesem Werk ganz stark in den Orchesterklang eingebettet ist, als auch beim Werk, das nach der Pause auf dem Programm steht, der Symphonie Nr. 8 C-Dur D 944, genannt die „Große C-Dur-Symphonie.

Popelka, nunmehr designierter Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper München ab der Saison 2029/30, setzt hier auf stark betonten Drive, modelliert endlose Bögen, zügig, schwungvoll, dennoch geht bei seiner Interpretation die Innenspannung des Werkes nie verloren, hören sich die „himmlischen Längen“, die diesem Werk nach Robert Schumann innewohnen, nie getragen oder langatmig an. Das Orchester folgt ihm bereitwillig, ist an diesem Vormittag sehr gut aufgestellt; man sieht den Damen und Herren die Freude, mit diesem Chef zu musizieren, förmlich an.

Ein wunderbar gelungener Abschluss des Zyklus‘ Matineen der Wiener Symphoniker, das Publikum applaudiert nach beiden Programmpunkten den Ausführenden begeistert. Zu Beginn gab’s noch charmant moderierte, einleitende Worte zum Programm von Barbara Rett. Anlässlich der arte-Aufzeichnung und Ausstrahlung im Rahmen des paneuropäischen Konzertevents „europiano – Die schönsten Klavierkonzerte aus Europa“ am 21. Juni 2026 trugen Orchester und Dirigent, ungewohnt für eine Matinee, sogar Frack – bei Außentemperaturen von 33 Grad Celsius.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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