Nachdem er im Februar 2025 bekannt gegeben hatte, an Parkinson erkrankt zu sein, lässt Daniel Barenboim es sich dennoch, so oft als möglich, nicht nehmen, „sein“ West-Eastern Divan Orchestra zu dirigieren – und damit ganz bewusst politische Akzente zu setzen in einer Zeit, wo der Nahe Osten wieder einen ständig brodelnden Krisen- und Konfliktherd darstellt.
Zu Beginn des Konzertes am 24. September 2026 im Großen Saal der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien steht die Symphonie Nr. 7 h-moll D 759, die „Unvollendete“, von Franz Schubert. Viel Zeit lässt sich Barenboim dafür, musiziert in langen, weit geatmeten Bögen, wiederholt die Exposition im ersten Satz, und weist damit eindrucksvoll Schuberts späte, große Instrumentalmusik als das Bindeglied zwischen den Symphoniken Beethovens und Bruckners aus.
Noch vor der Pause erklingt dann noch das Vorspiel zu TRISTAN UND ISOLDE und die Schlussszene dieses Musikdramas, „Isoldens Liebestod“ genannt, in der Konzertfassung. Dieses Werk hat Barenboim sein ganzes Dirigentenleben lang begleitet, beeindruckende Aufführungen davon hat er immer wieder in Bayreuth, Berlin und Mailand dirigiert. Und auch an diesem Abend zeigt er, dass er nach wie vor zu den besten Wagner-Dirigenten überhaupt zu zählen ist. Die sehrend-verzehrenden Phrasen dieses Tonkosmos, ihr An- und Abschwellen, zum Rausch geseigert, die ganze Einsamkeit wie Trostlosigkeit, das ganze Leid wie den tiefen Schmerz dieser Musik, hört man auch an diesem Abend derart intensiv, dass das Publikum bereits zur Pause tief ergriffen ist und gerät dieser Programmpunkt uneingeschränkt zum Höhepunkt des Konzertes.
Auf Wunsch des Dirigenten wurde das Programm nach der Pause geändert und statt der Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 55, „Eroica“, von Ludwig van Beethoven die unproblematische Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 97, „Rheinische“, von Robert Schumann gespielt. Barenboim lässt keinen Zweifel am Volksfestcharakter dieses Stückes, lässt das sehr gut disponierte Orchester groß und überschwänglich aufspielen und sichert sich ob dieser Gangart den Publikumsjubel am Ende.