Der Sturm braust noch heftiger durchs TAW

Jordan Shanahan als dämonischer, stimmlich imposanter wie auch berührender "Holländer" im Theater an der Wien © Matthias Baus

Auch in der sechsten Vorstellung der aktuellen Serie von Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ am 28. Oktober 2026 geht’s hoch her im MusikTheater an der Wien.

Dirigent Robert Jindra am Pult der Wiener Symphoniker – sicherer im Blech, manche Wackler im Holz – schraubt das Dezibel-Maß noch weiter in die Höhe, die Stürme des Meeres brausen noch heftiger, weil noch lauter durchs kleine Theater an der Wien. Eigenartigerweise dehnt er auch die Tempi, sodass diese, pausenlose Aufführung, auf mehr als 145 Minuten Spieldauer anwächst. Langsamerer, dramatisch aufgeladene Tempi verleihen dem großen Duett Holländer – Senta im zweiten Akt jedoch ein Maß an Höchstspannung; passagenweise, bei den an Marschner und Lortzing gemahnenden Szenen, gerät der Dirigent an diesem Abend etwas ins Schleppen. Die ausufernde Dynamik verfehlt seine Wirkung aber nicht, vor allem das junge Publikum ist davon begeistert. Der Arnold Schoenberg Chor, Einstudierung Juan Sebastian Acosta, steuert wieder plastisch differnzierten wie mächtig schallenden Chorgesang bei.

Bei den SängerInnen das gleiche Bild wie gehabt. Die kleinen und mittleren Rollen sind durchwegs mehr als solide besetzt, herausragend die beiden Protagonisten – als Senta beeindruckt Ambur Braid mit wahren, wunderbar fokussierten Leuchtraketen, als dämonischer, imposant stimmgewaltiger Holländer vermag Jordan Shanahan auch zu berühren, eine Dimension, die einem echten, rollendurchdringenden Holländer nicht fehlen darf.

Die hochintelligente, betont filmische Inszenierung von Philipp Stölzl, szenisch neueinstudiert von Philipp M. Krenn, überzeugt bei wiederholtem Betrachten mehr und mehr. Die Bühnenräume, die sich im großen Duett zwischen den beiden Protagonisten öffnen, sind Traum-, ja Seelenräume. Die Stürme und Meereswogen toben im Inneren des psychisch kranken Mädchens Senta, der erlösungssehnsüchtige Holländer, von dem auch sie sich die Rettung erhofft, ist eine Kopfgeburt, trotz mehrerer – surrealer – Ebenen ist die Inszenierung hart am Text und aus der Musik Wagners entwickelt. Der einzige Ausweg, den die junge Psychopathin Senta findet, ist der Suizid – in unglaublich hartem, nahezu verstörendem, Kontrast zum Erlösungsschluss im Orchester.

Jubel im Theater an der Wien nach einem wieder wahrlich balladenhaften „Holländer“.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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