Seit Jahren ist das Gustav Mahler Jugendorchester ständiger, gern gesehener wie gehörter Gast bei Konzertveranstaltern und Festivals auf der ganzen Welt, so auch bei den Salzburger Festspielen. Für ihr abendliches Konzert am 22. August 2026 in der Felsenreitschule unter der Leitung von Philippe Jordan setzt es zwei verschiedenartige Werke von Bartok und Bruckner auf das Programm, die für ihre Komponisten Erfolgsstücke durch und durch geworden sind.
Im ersten Teil des Konzertes erklingt die 1936 entstandene, 1937 in Basel uraufgeführte, viersätzige Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta SZ 106 von Bèla Bàrtok. Wie raffiniert der Komponist in diesem Werk die Klangfarben nutzt, absolute Musik kunstvoll entwirft und ausgestaltet, setzt das höchst motiviert musizierende Orchester in vitaler Ausdrucksintensität um, mitunter hätte man sich bei der Wiedergabe etwas mehr an Biss und Schärfe gewünscht.
Im zweiten Teil des Konzertes setzt Philippe Jordan auf die dritte Fassung (1888) der Symphonie Nr. 4 Es-Dur WAB 104 „Romantische“ von Anton Bruckner. Obwohl diese Fassung als letzter Wille Bruckners gelten kann, hatte er die zahlreichen Veränderungen gegenüber der – üblicherweise gespielten – zweiten Fassung 1878/80 autorisiert, verändert diese Letztfassung die Proportionen des Werkes in nicht unbedingt günstiger Weise: die Reprise des Scherzos ist um 65 Takte gekürzt und im Finale gibt es ebenfalls Kürzungen, die den Satz, wenig nachvollziehbar, straffen und dessen Gesamtwirkung bedauerlicherweise vermindern.
Den Beinamen „Romantische“ hat Bruckner selbst seiner IV. Symphonie verliehen, um die besondere Stimmung auszudrücken, die er mit der Bezeichnung verband. Der Hornruf zu Beginn, der im vollen Chor der Bläser das Werk in der Finalcoda krönt, wird vom jungen Hornisten des Orchesters phänomenal umgesetzt, die Leistung des jungen Mannes während der ganzen Wiedergabe kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden. Philippe Jordan nimmt sich Zeit, um die Bruckner’schen Bögen mit dem sehr gut disponierten, intensiv, mit jugendlicher Begeisterung spielenden Orchester zu atmen. Den Tonfall der Mischung aus zarten Pastoralklängen und heftigen Tuttistellen treffen Dirigent und Orchester geschmackvoll, Bruckners gewaltige Architektur bleibt immer nachvollziehbar, um orchestralen Glanz und Schönheit des transparent daherkommenden Orchesterklanges ist man ständig bemüht. Nach der Finalapotheose gibt es zu Recht starken Publikumsjubel für die bestens koordinierten jungen Damen und Herren.