Bruckners III. Symphonie in der Fassung der Uraufführung bei den Brucknertagen 2026

Blick auf die Decke der Stiftsbasilika St. Florian während der Aufführung der III. Symphonie von Anton Bruckner durch das Altomonte Orchester bei den Brucknertagen am 21. August 2026 © Thomas Rauchenwald

Blutende Fleischklumpen“ nannte der britische Bruckner-Spezialist und Komponist Robert Simpson das von Franz Schalk verstümmelte, seiner architektonischen Proportionen völlig beraubte Finale der Symphonie Nr. III d-moll WAB 103 von Anton Bruckner in der offiziell „gültigen“, dritten Fassung von 1889, wo ursprünglich logisch getrennte Formteile lückenlos aneinandergereiht wurden. Dennoch greifen viele namhafte Dirigenten heute noch auf diese Fassung zurück, weil die letzte von Bruckner autorisierte und in dieser kürzesten Fassung bei ihrer Erstaufführung durch die Wiener Philharmoniker unter Hans Richter am 21. Dezember 1890 ein durchschlagender Erfolg für Bruckner.

Von der Erstfassung 1873 existiert nur noch die Widmungs-Partitur an Richard Wagner, also eine Kopie, in Bayreuth.

In der Zweitfassung 1877 wurde die „Dritte“ am 16. Dezember 1877 in Wien im Großen Saal des Wiener Musikvereins uraufgeführt. Weil Kapellmeister Johann von Herbeck in der Probezeit gestorben war, musste der Organist und Chordirigent Bruckner selbst die Wiener Philharmoniker, die das Werk zunächst als unspielbar abgelehnt hatten, dirigieren. Das Orchester war nicht motiviert, Bruckner ein eher unterdurchschnittlicher Dirigent eines instrumentalen Klangkörpers. Der eigentliche Grund, warum die Uraufführung zum Fiasko geriet, war aber der Umstand, dass das Wiener Publikum das Werk schlichtweg nicht verstanden hatte.

Für ihre beiden Konzerte bei den St. Florianer Brucknertagen 2026 hat sich das Altomonte Orchester nun ausdrücklich die dritte Symphonie Bruckners in der Fassung ihrer Uraufführung, also die zweite Fassung 1877, gewünscht.

Eine Symphonie von Anton Bruckner in der Stiftsbasilika St. Florian zu erleben, unter deren Orgel der Komponist seine letzte Ruhestätte gefunden hat, gerät immer wieder zum musikalischen Raum-Erlebnis. So auch am Abend des 21. August 2026. Beeindruckend, welch‘ vollen, runden Bläser-Klang das Orchester in die Basilika strahlen lässt, wie wunderbar kompakt die Formation musiziert, wie herrlich warm ihr Orchesterklang in den sakralen Raum strömt.

Die junge österreichische Dirigentin Katharina Wincor am Pult bemüht sich nach Kräften, das Orchester durch die Klippen von Bruckners „Dritter“ zu führen. In jugendlichem Überschwang nimmt sie sich manchmal etwas zu wenig Zeit, um die langen Bögen der großartigen Musik ganz ausschwingen zu lassen, mitunter wird das herrliche Werk dadurch ein wenig seiner ganzen Tiefe, seines ganzen Reichtums beraubt.

Die Leistung des Orchesters aber kann man gar nicht hoch genug schätzen, vermittelt es doch eindrucksvoll, welch‘ symphonische Revolution der Komponist mit diesem Werk hingelegt hatte. In dieser Symphonie ist Bruckners Stil voll ausgereift. Gewiss lebt Wagners Art in Harmonik und Klang, Schubert in seiner melodischen Weitschweifigkeit, Beethoven in der monumentalen Form. Aber Bruckner baut sein Werk nach eigenen Plänen und Gesetzen, die hymnische Schlusssteigerung mündet in das stolze Hauptthema des ersten Satzes, das zu Beginn des ersten Satzes leise in den Trompeten einsetzt. Mit äußerster Hingabe wird das alles vom Orchester im stimmungsvollen Rahmen ausgeführt und wird vom Publikum dafür heftig akklamiert.

Vom Kapellmeister am Linzer Landestheater, Otto Kitzler, wurde Anton Bruckner nicht nur an die Musik Richard Wagners, sondern auch an Ludwig van Beethoven herangeführt. Vor der Wiedergabe der III. Symphonie von Bruckner erklang als Auftakt eine Rarität – die von Bruckner orchestrierte Einleitung und Exposition von Beethovens Klaviersonate Nr. 8 c-moll op. 13 „Pathètique“.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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