Robin Ticciati lässt im Wiener Musikverein die Natur klingen

Im Rahmen des Programmschwerpunktes "Fokus Klima: ZERO?" im Wiener Musikverein: Robin Ticciati © Thomas Rauchenwald

Mit dem Programmschwerpunkt „Fokus Klima: ZERO?“ liefert die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien einen wertvollen Beitrag zum Thema Klimaschutz in der Klassik. Ganz auf die Klänge der Natur ausgerichtet ist denn auch das Konzert der Wiener Symphoniker unter der Leitung von Robin Ticciati am 18. März 2026 im Großen Musikvereinssaal.

Zu Beginn eines spannenden, ungewöhnlichen Programmes die von Sir Charles Mackerras eingerichtete, wieder völlig auf die ursprüngliche Instrumentierung des Komponisten zurückgeführte Suite aus der Oper „Das schlaue Füchslein“ von Leos Janàcek, wo der erste Akt der Oper ohne Gesang mit bestimmten kleinen Kürzungen vom Beginn bis zum Ende gespielt wird. Die scharfen Klänge, die Kontraste des Waldes und seiner Tierwelt wie die fließend lyrischen Abschnitte werden in dieser Interpretation auf den Punkt gebracht wiedergegeben. Ticciati trifft auch den expressiv kleinzeiligen Charakter dieser Musik genau, man wünscht sich den Musikdirektor der Glyndebourne Festival Opera als Dirigenten einer Oper von Janàcek an der nicht weit vom Musikverein entfernten Wiener Staatsoper.

Danach schließt der Dirigent unmittelbar – an das kurze, ausdrucksvolle Konzert für Violine und Orchester von Leos Janàcek – „The Lark Ascending“ für Violine und kleines Orchester von Ralph Vaughan Williams, basierend auf dem 1881 entstandenen, gleichnamigen Gedicht von George Meredith, an, was für einen äußerst stimmigen Effekt sorgt. Janacek hat sein Werk als „Wanderung einer Seele“ bezeichnet, er hat wohl seine „Seele“, seine Muse Kamila Stösslova, damit gemeint. Mit vollmundigem Geigenton agierend, bildet die Solistin Alina Ibragimova auf ihrer Violine von Anselmo Bellosio aus 1775 einen deutlichen Kontrast zu Ticciatis wogenden Orchesterklängen; in der zweiten Komposition trägt das Instrument ungemein gesangvoll über den impressionistisch gefärbten Orchesterstimmungen.

Nach der Pause steht noch die an Naturstimmen reiche Symphonie Nr. 8 G-Dur op. 88 von Antonin Dvorak auf dem Programm. Robin Ticiati findet mit dem beherzt aufspielenden Orchester, kleine Intonationstrübungen fallen nicht ins Gewicht, zu einer eigenen Schönheit, lässt die Symphonie leidenschaftlich mitreißend aufrauschen, setzt einerseits ganz auf großen, süffigen, andererseits wunderschönen Orchesterklang, letzteren vor allem, was die Bratschen und Celli betrifft. Der Publikumsjubel ist ihm nach dieser vorwärtsdrängend kräftigen Interpretation sicher.

Im Anschluss an ein gelungenes, stimmiges Konzert gab es im Steinernen Saal noch eine interessante Diskussionsrunde in Zusammenarbeit mit der Organisation SAVE THE WORLD, wo, moderiert von Nicola Bramkamp, der Intendant der Wiener Symphoniker, Jan Nast, und Annett Baumast, Professorin für Nachhaltigkeitsmanagement an der HWR Berlin, unter dem Motto „Klima machen“ über Nachhaltigkeit als Führungsaufgabe diskutierten.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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