Die Wiener Staatsoper zeigt wieder das lyrische Märchen RUSALKA in drei Akten mit dem Libretto von Jaroslav Kvapil und der herrlichen Musik von Antonin Dvorák – noch immer in der Inszenierung von Sven Erich Bechtolf, die bereits im Jänner 2014 zur Premiere kam und in der Aufführung am 10. Januar 2026 nunmehr ihre 27. Aufführung erlebt. Ein Kindermärchen stellt dieses Meisterwerk jedoch keineswegs dar: zentrales Thema des Stückes bei Bechtolf ist die Angst einer jungen Frau vor ihrer erwachenden Sexualität, welche der Regisseur auch in den Fokus seiner repertoiretauglichen Arbeit rückt, unter anderen mit an Visionen erinnernden Erinnerungs- und Gedankenbildern, angesiedelt im eisigen, schneebedeckten Winterambiente.
Am Pult des in den Hörnern bisweilen schwächelnden Orchesters der Wiener Staatsoper setzt Dirigent Robert Jindra auf starke wie ungemein fließende Akzente, indem er die Musik in ihrer ganzen Pracht schwelgen lässt, das böhmische Kolorit stark betonend und herausstreichend. Der Musikdirektor des Nationaltheaters in Prag liebt es jedoch auch knallig laut, um die ganze Dramatik des Werkes herauszuarbeiten: glücklicherweise stehen ihm überwiegend starke Stimmen zur Verfügung.
Die kleinen Rollen sind allesamt aus dem Ensemble bzw. dem Opernstudio besetzt: Jusung Gabriel Park lässt als Heger aufhorchen, den Küchenjungen gibt Isabel Signoret sehr zart, Andrei Maksimov ist der Jäger, als Elfen gefallen Anna Voshege, Anita Monserrat und Stephanie Maitland. Monika Bohinec überzeugt als stimmlich starke, dämonische Jezibaba, Eliska Weissova singt eine heftige, an die phonetische Gewalt einer Ortrud erinnernde fremde Fürstin. Alexander Vinogradov gefällt als hervorragender Vodnik mit profunder, sonorer, schlank und sicher geführter Bassstimme.
Sieht man einmal davon ab, dass sie keine slawische Stimme besitzt, um als Rusalka restlos zu überzeugen, bewegt, berührt die mit Herzblut singende Nicole Car mit ihrem starken, flutenden, cremig weißen, bisweilen kalten, diesbezüglich hervorragend in die Inszenierung Bechtolfs passenden Sopran, in der Titelrolle. Und Piotr Beczala begeistert nach wie vor als Prinz durch lyrische Emphase in seinem Singen wie betörendem, einnehmendem Schmelz. Edel, wohlklingend, führt er seinen immer noch lyrischen, wunderbar kantabel phrasierenden Tenor, den er in der Schlussszene mit Rusalka, einem Todesduett, in stratosphärische, bombensichere, perfekt fokussierte Höhen schraubt.
Das Publikum jubelt zum Schluss dankbar über eine weigehend gelungene Aufführung.