Kammermusik äußerst inspiriert – das Quatuor Tchalik im Arnold Schönberg Center Wien

Das junge, französische Quatuor Tchalik nach seinem Konzert im Arnold Schönberg Center Wien © Thomas Rauchenwald

Aufgewachsen in einer ukrainisch-französischen Familie, musizierten die vier Geschwister seit frühester Kindheit zusammen, 2013 haben sie ihr eigenes Streichquartett – das Quatuor Tchalik – gegründet. Den Grundstein für ihren Erfolg legten sie 2016, als sie an der Escuela Superior de Mùsica Reina Sofìa in die Klasse des kürzlich leider verstorbenen Günter Pichler aufgenommen wurden. Die vier MusikerInnen spielen auf Instrumenten, die der Geigenbauer Philippe Mitèran eigens für sie anfertigt. Die Formation beschränkt sich nicht nur auf die klassische Quartettliteratur, sondern ist geprägt von künstlerischer Neugier und Entdeckerdrang.

Letzteres auch im Konzert am 14. Oktober 2026 im Arnold Schönberg Center Wien. Die Geschwister Tchalik – Gabriel (erste Violine), Louise (zweite Violine), Sarah (Viola), Marc (Violoncello – starten mit dem interessanten Streichquartett der ukrainischen Komponistin Stefanija Turkewich (1898-1977), einem dreisätzigen, zwischen 1960 und 1970 entstandenen Werk, dessen musikalische Sprache sich ständig zu entwickeln scheint.

Danach folgt das Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135 von Ludwig van Beethoven, geschrieben 1826, dem letzten vollendeten Werk des Komponisten. Die jungen MusikerInnen beeindrucken hier mit Feingefühl und Klangfülle, Ausdruckskraft und Intensität. Zum Höhepunkt vor der Pause gerät der wunderbar gemeinsam geatmete dritte Satz, ein bewegendes Lento assai e cantante tranquillo. Überzeugend in dieser Interpretation sind vor allem die reife Dichte und betont ruhige Gestaltung des jungen Ensembles.

Vorbild in Form und Struktur für Arnold Schönbergs bedeutendstes Kammermusikwerk, seinem 1936 im Exil in Kalifornien entstandenen Streichquartett Nr. 4 op. 37, waren die Streichquartette Beethovens: entsprechend dem zuvor gehörten Opus 135 von Beethoven ist auch Schönbergs letztes Quartett auf den langsamen dritten Satz, ein ergreifendes Largo, konzentriert. Obwohl von einer Zwölftonreiche bestimmt, wirkt dieses Werk aber nie spröd oder sperrig, weil das geschmackvoll dosiert eingesetzte Vibratospiel der Tchaliks dem Werk einen sinnlich leidenschaftlichen Charakter verleiht.

Quasi zum Ausklang dann noch ein an Felix Mendelssohn-Bartholdy gemahnendes, hurtig spritzig dahinhuschendes Presto für Streichquartett C-Dur, entstanden 1895, aus der tonalen Phase des großen Neutöners Arnold Schönberg.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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