DIE FLEDERMAUS zum Jahresausklang in der Wiener Staatsoper

Diana Damrau (Rosalinde) und Jonas Kaufmann (Eisenstein) in der Silvester-Aufführung der Wiener Staatsoper © Michael Pöhn / Wiener Staatsoper

Im vergangenen Jahr hat die Musikwelt den 200. Geburtstag von Johann Strauss (Sohn) gefeiert. Obwohl die Stadt Wien für einen ihrer großen Söhne sogar eine eigene Intendanz für das Strauss-Jahr 2025 eingerichtet hatte, bleibt von den diesbezüglichen Aktivitäten so gut wie nichts in bleibender Erinnerung. Der horrende finanzielle Aufwand dafür mag wohl auch mit ein Grund dafür sein, dass die engagierte Kammeroper in der Saison 2026/27 nicht mehr bespielt wird und ob der angespannten finanziellen Lage im öffentlichen Bereich wahrscheinlich auch weiter geschlossen bleiben wird, Wunder gibt’s im Bereich Kultur in Wien wohl nicht, außer es findet sich ein Retter.

Dafür hat die Wiener Staatsoper mit ihrer traditionellen Aufführung von Strauss‘ Meisteroperette DIE FLEDERMAUS einen Volltreffer gelandet, sodass Johann Strauss, wohl eine Pop-Ikone seiner Zeit, am letzten Tag seines Gedenkjahres doch noch die ihm zustehende Ehre zuteilwurde. Auch in der 191. (!) Aufführung funktioniert die Inszenierung vom im vergangenen Jänner fast 95jährig verstorbenen Regiealtmeister Otto Schenk hervorragend, sitzt da doch noch immer jeder Auftritt, jede Pointe, jede Geste, ganz aus der grandiosen Musik heraus entwickelt.

Am Pult des blendend aufgelegten Orchesters der Wiener Staatsoper feiert Markus Poschner, Chef des Brucknerorchesters Linz und designierter Chef des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien, sein fabelhaftes Debüt im Haus am Ring. Unter seiner Stabführung wird die Kultoperette zum Ereignis, vom ersten Takt der Ouvertüre an entfacht er mit dem höchst präzise aufspielenden Orchester ein zündendes musikalisches Feuerwerk, bringt aber auch die melancholischen Abschnitte der Partitur zum Klingen. Es scheint, die Noten hätten Flügel bekommen, champagnergleich perlt die Musik nur so vom Anfang bis zum Ende. Der Bühne ist er ein hervorragender Begleiter, atmet mit den Sänger:innen, wie es eben sein soll.

Dazu steht ihm eine blendende Besetzung zur Verfügung. Als Gabriel von Eisenstein und seine Frau Rosalinde feiern Jonas Kaufmann und Diana Damrau Rollendebüts an der Wiener Staatsoper. Letztgenannte eignet sich mit ihrem starken Sopran hervorragend für die auf dem Maskenball als Ungarin auftretende Rosalinde, mag ihr aber gerade der fulminante Csardas an diesem Abend nicht so recht in der Kehle liegen. Erstgenannter verfügt noch immer über eine verführerische, dunkel timbrierte Tenorstimme, die am besten im Uhren-Duett mit Rosalinde schmeichelt und im Terzett mit Rosalinde und Dr. Blind bisweilen heldisch schmetternd auftrumpft. Beiden ist im Spiel eine ungemein charmante, gekonnte Darstellung zu attestieren.

Daneben hört man ein ausgezeichnetes Ensemble, ja brillieren in ihren Rollen Adrian Eröd (Dr. Falke) und Jochen Schmeckenbecher (Frank), agieren Ilia Staple (Adele) und Daria Sushkova (Orlofsky) mehr als rollendeckend. Und Michael Niavarani liefert eine kabarettistische Meisterleistung als Frosch, indem er Tagespolitik in seinen höchst amüsanten, illuminiert angehauchten Betrachtungen – Stocker, Meloni, Trump, Grasser, Benkö – nicht ausspart. Derart auf die Bühne gebracht, möchte man diese Meisteroperette eines Wiener Genius erleben.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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