Beethovens Streichquartette im Wiener Konzerthaus – 1

Das Belcea Quartet eröffnet den Zyklus "Beethovens Streichquartette" im Wiener Konzerthaus © Thomas Rauchenwald

Das Belcea Quartet und das Quatuor Èbène widmen ihren gemeinsamen Zyklus in der Saison 2026/27 im Wiener Konzerthaus einem Großprojekt: Anlässlich des Jubiläumsjahres von Ludwig van Beethoven 2027 steht in sechs Konzerten im Mozart Saal eine Gesamtaufführung sämtlicher Streichquartette aus der Feder dieses Komponisten-Titanen auf dem Programm. Dieser außergewöhnlichen Reise durch einen Kosmos der (Kammer)Musik wird zusätzliche Spannung verliehen, indem die einzelnen Abende sehr abwechslungsreich und spannend gestaltet sind – kein Quartett widmet sich nur dem Früh-, Mittel- bzw. Quartett-Spätwerk des Komponisten, sondern werden die Programme, interessant ausgewählt, gemischt.

Bereits der erste Abend am 11. Oktober 2026, bestritten vom Belcea Quartet, stellt eine besondere Herausforderung an die Ausführenden wie das Publikum dar, sowohl im Hinblick auf die Länge als auch auf die Dichte des Programmes.

Den Beginn macht das Streichquartett G-Dur op. 18 Nr. 2, entstanden 1799 bis 1800. In dieser Auseinandersetzung Beethovens mit dem klassischen Streichquartett seiner frühen Phase finden die vier MusikerInnen – Corina Belcea (Erste Violine), Suyeon Kang (Zweite Violine), Krzysztof Chorzelski (Viola) und Antoine Lederlin (Violoncello) – nach und nach mehr und mehr zu Präzision und hervorragend aufeinander abgestimmter Spielkultur.

Im zweiten Werk noch vor der Pause, dem Streichquartett F-Dur op. 135, entstanden 1826, dem letzten der späten Quartette Beethovens, zugleich auch seine letzte vollständige Komposition, erfassen die vier MusikerInnen wunderbar die stille, beinahe abstrakte Heiterkeit dieser Komposition, die Wiedergabe gerät auf kunstvolle Weise, besonders schön gelungen der ergreifende, bezwingend schlicht gespielte, dritte, langsame, zutiefst ernste Satz.

Nach der Pause dann ein Gipfelwerk der Quartettliteratur überhaupt, das hoch komplexe, 1826 komponierte Streichquartett cis-moll op. 131. Bestechend hier die handwerkliche Meisterschaft dieses Quartetts, die Komposition zwingt jede Formation, bis an ihre Grenzen zu gehen. Der an seinem Lebensende schon lange stocktaube Beethoven war ein revolutionärer Komponist, dessen Musik weit in die Zukunft reicht – Belcea spielen dieses Quartett zwingend, ungestüm, expressiv, mit großem Druck auf den Bogen, keineswegs traditionell, sehr modern. Herausragend gelingen der einheitlich und stimmungsmäßig sehr geschlossene Kopfsatz, eine weitere Auseinandersetzung Beethovens mit der Fuge, der nahezu unerschöpfliche, ungemein fließend wiedergegebene Variationssatz und der stürmische, rauhe Finalsatz.

Dem Gehörten nicht genug, gibt es noch eine exquisite Zugabe, eine friedvoll geatmete, ungemein innige Interpretation des fünften Satzes, Cavatina. Adagio molto espressivo, aus dem Streichquartett B-Dur op. 130, einem der schönsten Quartettsätze Beethovens. Man darf heute schon auf die Interpretation des ganzen Werkes durch das Quatuor Èbène im vierten Konzert des Zyklusses gespannt sein.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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