In der burgenländischen Landeshauptstadt Eisenstadt steht ein ganz besonderes Bauwerk – Schloss Esterhàzy, die einstige Fürstenresidenz der gleichnamigen Adelsfamilie. Das ehemalige Barockschloss wurde unter Nikolaus II. Anfang des 19. Jahrhunderts von Karl Ehmann nach Plänen des Architekten Charles de Moreauzu zu einem klassizistischen Schloss umgebaut.
Der historische Festsaal des Schlosses ist seit der Mitte des 20. Jahrhunderts als Haydnsaal bekannt und wird oft als Konzertsaal verwendet. Joseph Haydn, der erste Großmeister der Symphonie und des Streichquartetts, stand von 1761 bis 1803 als Hofmusiker, Kapellmeister und Komponist im Dienst am Fürstenhof der Esterházy. Die Deckengestaltung des prächtigen Saales gipfelte schließlich in den großen Deckenfeldern, wo im Zentrum auch heute noch die Aufnahme Psyches in den Götterhimmel zu sehen ist. Dank seiner herausragenden Akustik und seiner Ausstattung gilt der Saal als ein Juwel unter den Konzertsälen weltweit.
In diesem Saal spielen heuer die Berliner Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten seit der Saison 2019/20, Kirill Petrenko, ihr mittlerweile traditionelles, immer am 1. Mai stattfindendes, Europakonzert. Aufgrund der enormen Kartennachfrage findet auch die Generalprobe am frühen Abend des 30. April 2026 vor Publikum statt.
Das Programm scheint ganz auf den äußeren Rahmen abgestimmt. Den festlichen Auftakt macht die brillante Ouvertüre D-Dur Hob. Ia:7 des Genius loci, Joseph Haydn, an diesem inspirierten Werk muss nicht viel gefeilt werden. Ebenso wenig an den Variationen über ein Rokoko-Thema für Violoncello und Orchester op. 33 von Peter Iljitsch Tschaikowsky, ein im Grunde einsätziges Cellokonzert. Das höchst motivierte Orchester tritt in einen beglückenden, seelenvollen Dialog mit dem Solisten Gautier Capucon, der sein edles Instrument mit fein glühendem, mediterran leuchtendem Ton berückend zum Klingen bringt. Dazwischen noch die Suite aus dem Ballett „Pulcinella“ von Igor Strawinsky, an der Dirigent Kirill Petrenko nach schwungvoll schmissigem Durchspielen etwas länger feilt, bis auch die ganz vertrackten Rhythmen des Werkes in der von ihm verlangten, höchst delikaten Präzision im Saal ankommen. Nach der Pause ist das in Galaformation angetretene Orchester – Noah Bendix-Balgley (erster Konzertmeister), Ludwig Quandt (erster Solocellist), Emanuel Pahud (Flötensolo), Albrecht Mayer (Solooboe), Wenzel Fuchs (Soloklarinette), Daniele Damiano (Solofagott), Yun Zeng (Solohorn) – unter der forsch akzentuierten, zügigen, aber nie verhetzten Leitung seines Chefs ganz in seinem Element. Hervorragend gespielt, die Orchesterdetails auskostend, entfaltet sich das Werk äußerst direkt in der trockenen, leicht halligen Akustik des wunderbaren Saales.
Die Besucherinnen und Besucher des Europakonzertes am 1. Mai 2026 um 11 Uhr in Eisenstadt dürfen sich jedenfalls auf ein ganz besonderes Konzert mit ganz besonderer Musik freuen – und auch die Zuhörerinnen und Zuhörer, die das Konzert im Livestreaming in der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker mitverfolgen, ebenso alle, die das Konzert heute am Abend im Rundfunk auf Ö 1 hören oder am Nachmittag des 3. Mai 2026 auf ARTE TV verfolgen.