„Musiker müssen sich wohl fühlen: Sie brauchen eine Hand, die klar schlägt.“
„Ich glaube, dass die Musik viel stärker ist, als die Menschen es selbst glauben. Ich weiß nicht, ob sie allgemeinen Frieden schafft: Aber in jedem Fall schafft sie innere Ruhe. Und die fehlt vielen Menschen, ja, ich würde sagen, Teilen der Welt. Das sind meine Erfahrungen, die ich mit Musik habe.“
Als er mit 18 Jahren nach Wien kam, war er sofort der Liebling aller, attraktiv, ungeheuer charmant, was er sein ganzes Leben lang geblieben ist. Er studierte ab 1954 Dirigieren beim legendären Professor Hans Swarowsky, hat sich sein Taschengeld als Kontrabassist im Orchester der Wiener Jeunesse verdient. Später, als er längst einer der faszinierendsten Pultstars der internationalen Musikszene und mit der US-amerikanischen Film- und Theaterschauspielerin Nancy Kovack verheiratet war, sagte er, er sei durch seine Liebe zur Wiener Musikkultur damals ein „zufällig in Indien geborener Wiener“ geworden, der es gerne „ein wenig g’schlampert und mit Schmäh“ mag.
Einmal gefragt, ob er bei seinem enormen Pensum an Dirigaten auch Urlaub mache, soll er sinngemäß geantwortet haben, einen Urlaub benötige er nicht, zur Entspannung und Erholung brauche er nur den dritten Satz, das Adagio, aus der VIII. Symphonie von Anton Bruckner zu dirigieren.
Heute, am 29. April 2026 feiert er seinen 90. Geburtstag. Mit 84 an Krebs erkrankt, ließ er sich nicht unterkriegen: „Musik gab mir Stärke.“ Genesen, trotzt er der Physis, und dirigiert noch immer mit ungemein wachen, leuchtenden Augen.
Geboren ist er am 29. April 1936 in Mumbai, dem früheren Bombay, in eine renommierte Musikerfamilie. Nach seinem Studium bei Swarovsky in Wien vollendete er seine Ausbildung anschließend in Siena bei Alceo Galliera und Carlo Zecchi und in Tanglewood bei Eleazar de Carvalho. 1958 gewann er die „Liverpool International Conducting Competition“ und war auch Preisträger der Sommerakademie in Tanglewood. Bereits 1961 hatte er die Wiener Philharmoniker und die Berliner Philharmoniker sowie das Israel Philharmonic Orchestra dirigiert; allen drei Orchestern ist er bis heute verbunden: am vertrautesten ist er wohl mit den Wiener Philharmonikern, deren Neujahrskonzert er fünfmal – 1990, 1995, 1998, 2007, 2015 – und überhaupt dieses Orchester in über 65 Jahren rund 400-mal dirigiert hat.
Von 1961 bis 1967 hatte er die künstlerische Leitung des Montreal Symphony Orchestra inne, von 1962 bis 1978 war künstlerischer Leiter des Los Angeles Symphony Orchestra. Es folgten Engagements beim New York Philharmonic Orchestra (Chefdirigent 1978 bis 1991), wo er als Nachfolger von Pierre Boulez der am längsten amtierende Chefdirigent war. Seine Arbeit mit dem Israel Philharmonic Orchestra (Berater seit 1968, Chefdirigent von 1977 bis 2019, seit 2019 Conductor Emeritus), mit dem er auf allen fünf Kontinenten gastierte, wurde 1994 mit einer Tournee in sein Geburtsland Indien gekrönt. Von 1985 bis 2017 war er Chefdirigent des Opernfestivals „Maggio Musicale Fiorentino“ in Florenz. Zwischen 1998 und 2006 war Bayerischer Generalmusikdirektor und damit musikalischer Leiter der Bayerischen Staatsoper.
Opern hat er seit seinem Debüt 1964 in Montreal auch an der Metropolitan Opera New York, der Wiener Staatsoper, dem Londoner Royal Opera House Covent Garden, der Mailänder Scala, der Berliner Staatsoper Unter den Linden, in Chicago, sowie bei den Salzburger Festspielen dirigiert. 2006 eröffnete er den Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia, wo er auch „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner – die Tetralogie hat er auch in München und Chicago geleitet – dirigierte, 2008 leitete er die Eröffnungsvorstellung des neuen Opernhauses in Oslo.
Er trägt den „Nikisch-Ring“, der ihm von Karl Böhm vererbt wurde. 1997 wurde er zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt. 1999 erhielt er den Preis für Frieden und Toleranz der Vereinten Nationen. 2001 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft der Wiener Philharmoniker verliehen. Zahlreiche Orchester verliehen ihm den Titel eines Ehrendirigenten, so die Philharmoniker in Berlin, München, Los Angeles und Israel, wie auch die Staatskapelle Berlin. Das Bayerische Staatsorchester ehrte ihn zu seinem Ausscheiden als Generalmusikdirektor 2006 mit demselben Titel, außerdem wurde er zum Ehrenmitglied der Bayerischen Staatsoper ernannt. Außerdem ist er Ehrenbürger der Städte Florenz und Tel Aviv. 2022 wurde die neue Konzerthalle im Teatro del Maggio in Florenz nach ihm benannt.
Anlässlich der Endspiele der Fußballweltmeisterschaften in Rom 1990 und Los Angeles 1994 dirigierte er jeweils das Konzert der „Drei Tenöre“ mit Josè Carreras, Placido Domingo und Luciano Pavarotti, womit er weltweit auch außerhalb der Klassikwelt bekannt wurde.
Die Förderung junger Talente weltweit liegt ihm sehr am Herzen. Gemeinsam mit seinem Bruder Zarin hat er in Bombay die Mehli Mehta Music Foundation gegründet. Außerdem ist er Mitbegründer der Buchmann-Mehta School of Music in Tel-Aviv, in deren Aktivitäten er immer noch eingebunden und deren Ehrenpräsident er ist.
Was die Dirigierkunst allein betrifft, war der Stardirigent und Pultvirtuose immer ein absoluter Ausnahmekönner, und ist in den letzten dreißig Jahren auch zu einem der großen, tiefsinnigen und echten Interpreten allererster Güte gereift.
Die Musik war immer die Hauptsache. So auch bei einer eindrucksvollen Premiere von Giuseppe Verdis „Otello“ am 10. Mai 1987 an der Wiener Staatsoper, mit Placido Domingo in der Titelpartie, wo er das in dieser Oper so besonders charakteristische Hell-Dunkel der Musik betonte und derart die grellen Kontraste dieses Seelengemäldes offenlegte.
Ich erinnere mich besonders gerne auch an einige musikalisch vollendete, weil ausgewogene Wiedergaben von Richard Wagners Handlung in drei Aufzügen, „Tristan und Isolde“, am 13. April 1995 und am 13. September 1997 an der Wiener Staatsoper sowie am 19. November 2005 und am 8. Juli 2006 an der Bayerischen Staatsoper: immer kontrolliert souverän dirigiert, nie zu leicht oder zu schwer, mit Gefühl und Leidenschaft, lyrisch wie dramatisch, innehaltend wie vorwärtsdrängend.
Herausragend ebenso ein Abonnementkonzert der Wiener Philharmoniker am 17. März 2013 im Großen Musikvereinssaal in Wien, wo er die Symphonie Nr. 8 c-moll WAB 108 von Anton Bruckner einfach als Gipfelwerk der Symphonik entstehen ließ: eine tiefgehende Interpretation, mit großem Atem und mit mächtigem, philharmonischem Klang.
Bei den Salzburger Festspielen, am 29. Juli 2013, und in der Wiener Staatsoper, am 4. Dezember 2016, wo jeweils Giuseppe Verdis „Falstaff“ zur Premiere kam, offenbarte sich die Tragikomödie um Leben, Liebe und Tod, die dieses Alterswerk darstellt, nur im Graben, wo ihm gereifte, altersweise Interpretationen, pointiert kräftig wie subtil zart, am Pult der Wiener Philharmoniker bzw. des Orchesters der Wiener Staatsoper gelangen.
In der Berliner Staatsoper Unter den Linden, bei der Premiere von Richard Strauss‘ Komödie für Musik, „Der Rosenkavalier“, gerät ein musikalisch einfach großartiger Abend durch und durch zum Triumph für den Dirigenten. Selten hörte man so einen wehmütigen, ganz in herbstlich schwelgerische Farben getauchten „Rosenkavalier“. Er zelebrierte die herrliche Musik mit ungemein spannungsgeladenen Tempi und waltete bei höchster Konzentration und überragender Umsicht mit knapper, klarer, höchst präziser Zeichengebung und fulminanten Schlag am Pult des Orchesters. Der Dirigenten-Altmeister schaffte sogar die Quadratur des Kreises, soll heißen, dass er aus der preußischen Staatskapelle die wunderbarsten wienerischen Klänge heraus zauberte. Welch‘ herrliche Holzbläserfarben waren da zu vernehmen, welch‘ perfekt abgerundetes Blech, sogar die Streicher ließen silbrig schimmernden Glanz verströmen und die für Wien so typische Taktverzögerungen bei den Walzern lagen dem Dirigenten ohnehin im Blut. Ganz große dirigentische Kunst war es, dies alles mit Daniel Barenboims Staatskapelle auf nahezu natürliche, keineswegs aufgesetzte Art und Weise in fein transparenten wie rauschhaft gesteigerten Klang umzusetzen. Er legte auch die in der Partitur immer wieder plötzlich ausbrechenden Dissonanzen frei: Die walzerselige, nur scheinbar mühelos gefällige, harmonische Welt des „Rosenkavalier“ kann jederzeit aus den Fugen geraten. An diesem Abend hörte man, dass die dekadente Adels- und Offiziersgesellschaft der k.u.k. Donaumonarchie bereits auf dem Vulkan tanzte.
Im Musikverein Wien, am 17. Februar 2024, im Abonnementkonzert der Wiener Philharmoniker, präsentiert sich das Orchester einfach perfekt aufgestellt in allen Instrumentengruppen bei einer ungemein kompakten, in sich geschlossenen, höchst überzeugenden Wiedergabe der Symphonie Nr. 7 E-Dur WAB 107 von Anton Bruckner. Der Dirigent lässt die Erfahrung seines ganzen langen Dirigentenlebens in die Interpretation dieses einen der Gipfelpunkte der Symphonik darstellenden Werkes einfließen, wenn er ruhig, mit größtmöglicher Übersicht und höchster dirigentischer Souveränität das Stück ohne Partitur gestaltete. Zeit nahm er sich, viel Zeit, die gigantisch aufgebauten Spannungsbögen waren zwar zum Zerbersten gespannt, rissen über die ganze viersätzige Architektur nicht ab und wurden beeindruckend bis zum Schluss gehalten. Diese Interpretation war einem echten „Bruckner-Hochamt“ vergleichbar, diese Kunst ist nur wenigen Dirigenten gelungen. Man könnte aus dieser herrlichen Aufführung von Bruckners VII. Symphonie viele Details herausgreifen, vielleicht die wunderbar kontemplative, spannungserfüllte Ruhe der vollendet rund geblasenen Wagner-Tuben zu Beginn des zweiten Satzes und in dessen Abgesang. Zum Höhepunkt geriet aber die Coda des ersten Satzes, die er sehr breit und ruhig nimmt, sodass das machtvolle Crescendo einfach überwältigend daherkommt, wobei das langsame Tempo die Wirkung dieser gewaltigen Musik noch erhöhte.
Im Wiener Konzerthaus, am 16. Januar 2025, wieder mit den Wiener Philharmonikern, erfasste er die charakteristische Eigenart der Symphonie Nr. 9 d-moll WAB 109 von Anton Bruckner in ihrer ganzen Tiefe und gestaltete das großartige Werk mit der in allen Gruppen bestens aufgestellten Formation kompakt, souverän und erfüllt. Durch und durch organisch wurden die großen Steigerungen aufgebaut, die erratischen Blöcke flossen förmlich ineinander und auch die Tatsache, dass Bruckner mit diesem Werk und seiner kühnen Harmonik bereits weit das Tor zur Musik des 20. Jahrhunderts aufgestoßen hat, wurde nahezu überdeutlich herausgearbeitet. Im Grunde konnte man nur dankbar sein für dieses Erlebnis einer derart ergreifenden Wiedergabe dieses Werkes. Da stimmte einfach alles, angefangen von den einfach richtigen Tempi bis zur herrlich gestaffelten, überzeugenden Dynamik, und das Orchester folgte dem betagten Dirigenten hingebungsvoll, wenn er mit sparsamer, klarer Zeichengebung und perfektem Schlag ohne Partitur Bruckners letzte Symphonie in ihrer ganzen spätherbstlichen Schönheit, Abgeklärtheit und Transzendenz entstehen ließ. Die Bruckner-Biographen August Göllerich und Max Auer deuteten Bruckners langsame Sätze als „eine Reihe höchster Verzückungen auf der Stufenleiter zu Gott. Wer Bruckner je beten gesehen, versteht seine Adagios“: dieser Dirigent hat den dritten Satz wirklich als Bruckners „Abschied vom Leben“ in seiner ganzen Ausdruckskraft erfasst.
Welch‘ überragende künstlerische und menschliche Größe bzw. Demut er besaß, bezeugt aber folgendes Erlebnis der besonderen Art: 1996, Ende Juni, im Musikverein in Wien, angesetzt war Anton Bruckners IV. Symphonie, mit den Münchner Philharmonikern unter Sergiu Celibidache. Eines der noch erhältlichen Tickets war bei meinen damaligen Verhältnissen nahezu unerschwinglich: umso größer war dann die Enttäuschung, als vor Beginn des Konzertes weiße Zettel an den Eingangstüren ankündigten, dass Celibidache schwer erkrankt ist, weshalb er kurzfristig von ihm das Dirigat übernehmen musste. Das Ticket noch zu verkaufen war unmöglich: so viele Menschen suchten keine Karten als Enttäuschte wie ich ihre Karten feilbieten wollten. Also eben auf ins Konzert, wenigstens war der Platz sehr gut: Balkonloge 4, rechts, 1. Reihe, mit wunderbarem Blick auf Orchester und Dirigenten. Dann aber geschah ein Wunder. Der nahezu perfekt geblasene Hornruf zu Beginn der Symphonie über dem Streichertremolo hat das Tor auf zu einer nicht geahnten, musikalischen Welt aufgestoßen. Langsame, aber ungemein spannende Tempi dominierten das Geschehen, die Musik entfaltete sich vollkommen schwerelos im Raum, klang so anders als sonst. Und nach mehr als 75 Minuten hob über den, wie in einem reißenden Strom pulsierenden Streichersextuolen, die Coda an, bevor der im strahlenden Tutti des ganzen Bleches das Werk einleitende Hornruf die Symphonie nahezu majestätisch krönte. Frenetischer Applaus des Publikums – wie unklug wäre es doch gewesen, dieses Konzert nicht zu besuchen. Plötzlich deutete der Dirigent dem Publikum, den Applaus zu unterbrechen und erklärte im Wesentlichen demutsvoll, nicht er habe das Konzert dirigiert, sondern Celibidache habe ihm vom Krankenbett aus in Gedanken seinen Stab geführt. Bis heute wirkt dieses Erlebnis nach.
Viel von Celibidaches Interpretationsansatz und Gedankenwelt bei Bruckner ist später in seine eigenen Interpretationen des genuin österreichischen Symphonikers eingeflossen. Bei den Salzburger Festspielen beispielsweise, am 6. August 2016, vermochten die Wiener Philharmoniker eine vollendete Schönheit bei Anton Bruckners IV. Symphonie Nr. 4 Es-Dur WAB 104 zu entfalten, dem Dirigenten gelang ein großer Spannungsbogen vom Anfang bis zum Ende: der weiche, wie aus einer anderen Welt geblasene Hornruf zu Beginn öffnete das Tor zur Bruckner‘schen Welt und ließ, wie es sein soll, das Ende im Anfang bereits erahnen. In den Sextuolenfiguren der Streicher vor der Schlusscoda und ebendort trieb er das Orchester bis ans Äußerste eines strahlenden Ausklanges.
Bezugnehmend auf seine umfangreiche Diskografie darf ich noch ein paar Empfehlungen herausgreifen, welche die enorme Vielseitigkeit des Dirigenten unterstreichen. Die CDs sollten, wenn auch teilweise vergriffen, zumindest antiquarisch noch erhältlich sein:
„Ich bin eigentlich nur Dirigent geworden, weil ich Brahms´ vier Sinfonien dirigieren wollte„, schrieb er in seiner Autobiographie, und so ist es kein Wunder, dass zahlreiche herausragende Brahms-Einspielungen unter dem Ausnahmedirigenten entstanden. In einer limitierten Edition des Labels SONY gebündelt sind seine Brahms-Aufnahmen, die für CBS und RCA entstanden, mit den New Yorker Philharmonikern und großartigen Solisten: sämtliche Sinfonien, die Haydn-Variationen, die beiden Klavierkonzerte mit Daniel Barenboim, das Violinkonzert mit Isaac Stern und das Doppelkonzert für Violine und Cello mit Pinchas Zukerman und Lynn Harrell. Alle Aufnahmen wurden von den Originalbändern aufwendig remastert und sind in der Box mit den jeweiligen Originalcovern der Erstveröffentlichung enthalten.
Unter seiner Leitung entstand bei DECCA eine Jahrhunderteinspielung von Giacomo Puccinis „Turandot“ in einer herausragenden Besetzung mit den Ausnahmestimmen von u. a. Joan Sutherland, Luciano Pavarotti, Montserrat Caballe, Nicolai Ghiaurov, Tom Krause und Peter Pears, dem John Alldis Choir und dem London Philharmonic Orchestra.
Anlässlich seines 85. Geburtstages wurde von den Münchner Philharmonikern mit Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ eine ganz besondere Einspielung veröffentlicht, welche die jahrzehntelange, tiefe Verbundenheit zwischen dem Orchester und seinem Ehrendirigenten hörbar macht. Mit Mojca Erdmann, Dmitry Korchak, René Pape, Andreas Herrmann, und dem Philharmonischen Chor München.
Eine leidenschaftlich-wilde, stark dirigierte Interpretation von Gustav Mahlers Symphonie Nr. 2 c-moll entstand für DECCA, mit den Wiener Philharmonikern, dem Wiener Staatsopernchor, sowie den Gesangssolistinnen Christa Ludwig und Ileana Cotrubas.
Ebenso ist ihm mit den Wiener Philharmonikern eine der herausragendsten, weil fesselndsten Interpretationen überhaupt der Symphonie Nr. 9 d-moll WAB 109 von Anton Bruckner gelungen. Eine zwingende Aufnahme: die exzellenten Tonmeister der DECCA haben es meisterhaft verstanden, die musikalische Struktur in ihrer ganzen Komplexität, ihrem kontrapunktischen und ihrem harmonischen Beziehungsreichtum nachvollziehbar zu machen, wodurch die gestalterischen Akzente des Dirigenten klangtechnisch noch verstärkt werden.
Empfehlenswert auch eine bei TELDEC erschienene Einspielung von Igor Strawinskys „Le sacre du printemps“ mit dem New York Philharmonic Orchestra: der Frühlingsritus wird hier archaisch wuchtig, grell geschärft, mit vulkanartigen Orchesterentladungen, interpretiert.
Wer schwere, dunkel glühende, große Stimmen bei Giuseppe Verdi mag, sei eine spannende Gesamtaufnahme der EMI von Giuseppe Verdis „Aida“ ans Herz gelegt. Unter einem feurig heftigen Dirigat singen gewaltige, kolossale Stimmen von u. a. Birgit Nilsson, Grace Bumbry und Franco Corelli, aufgeboten sind noch Orchestra e Coro del Teatro dell‘ Opera die Roma.
In der Tonsprache von Richard Wagners „Die Walküre“ verschmelzen der ureigene Klang des Bayerischen Staatsorchesters und sein energiegeladenes, spannungsvolles und hoch emotionales Dirigat zu einer Interpretation, die einen Bogen zwischen den großen Dirigaten aus früheren Jahrzehnten und der heutigen, modernen Wagner-Stilistik spannt. Ein Livemitschnitt der Münchner Opernfestspiele 2002 in bester Tonqualität, mit einer Weltklassebesetzung – Waltraud Meier, Gabriele Schnaut, Mihoko Fujimura, Peter Seiffert, John Tomlinson und Kurt Rydl, Label FARAO.
„Wo immer er jemals tätig war, liebt man ihn.“ So schrieb Sir Peter Jonas, der als Staatsintendant den Dirigenten nach München geholt hatte, zu dessen 70. Geburtstag. Er hielt ihn für einen „Mann der natürlichen Gaben – der grenzenlosen Großzügigkeit, Energie, Freundlichkeit, Menschlichkeit; und vor allem: für einen Mann, der in seinem Leben und in seiner Arbeit nie, bei keiner noch so großen Provokation, sich jemals zu einer Bösartigkeit hat hinreißen lassen – vielleicht die seltenste aller guten Eigenschaften. Er hat eine Art inneren Frieden.“
Danke, Zubin Mehta, für viele wundervolle, erfüllte Stunden – und die besten Wünsche zum Geburtstag!