Der Pianist Oleg Iossiffowitsch Maisenberg galt als einer der interessantesten Interpreten seiner Generation. Geboren am 29. April 1945 in Odessa, nunmehr kurz vor seinem 81. Geburtstag, am 16. April 2026 gestorben, war er eine feste Größe in der Klavierwelt.
Was sein Klavierspiel betrifft, war er technisch brillant, leidenschaftlich und unmittelbar im künstlerischen Ausdruck. Was ihn aber abhob, waren seine ungemein subtile Anschlagskultur, seine verhaltene, ungeheure Sensibilität am Klavier und seine bestechend tiefgründige Musikalität voller Innerlichkeit. Ein Kritiker verglich sein Spiel sogar einmal mit einer Improvisation. Ihm, dem hochsensiblen Lyriker am Klavier, gelang es, mit seinen sphärischen Klavierklängen Herz und Seele zu verzaubern.
Die Folgen eines Autounfalls 1997, der zu einer Behinderung seiner rechten Hand führte, zwangen ihn, seine Spieltechnik zu verändern und ungewohnte Fingersätze zu verwenden.
Für Maisenberg bedeutete seine Beziehung zur Musik einen Dialog: „Die Musik ist für mich wie ein Gespräch mit einem Freund. Man muss zuhören, um wirklich zu verstehen.“ Auch sah er die Musik „als ein großes Universum, in dem es unendlich viele Möglichkeiten gibt. Die wahre Kunst liegt darin, die Seele der Musik zu erfassen und sie mit dem Publikum zu teilen.“ Diese Überzeugungen und Philosophien offenbarten sich auch in seinen Interpretationen.
Vielfältig war sein Repertoire – von den Klassikern Mozart, Beethoven und Schubert, über Chopin, Schumann und Brahms zu Mussorgsky, Tschaikowsky, Rachmaninoff bis hin zu modernen Komponisten wie Bartok, Enescu und Schulhoff.
Neben seinen Auftritten als Solopianist oder mit Orchestern war er auch ein begeisterter Kammermusiker – mit dem Geiger Gidon Kremer beispielsweise verband ihn eine künstlerische Partnerschaft – sowie Liedbegleiter, zum Beispiel von Hermann Prey und Robert Holl, wobei er die Qualität des gemeinsamen Musizierens stets über den äußeren Effekt gestellt hat.
Maisenberg war auch ein begehrter Lehrer. In Stuttgart und in seiner Wahlheimat in Wien, wo er an Musikhochschulen unterrichtete, hat er zahlreiche junge Talente beeinflusst und gefördert. Zu seinen Schülern zählten beispielsweise Till Fellner und Katia Buniatishvili.
Zu seinen größten, unvergessenen Interpretationen zählen die Klaviersonate B-Dur D 960 von Franz Schubert, die Sonate h-moll von Franz Liszt, „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky, und die Mitgestaltung von Schuberts Liederzyklus „Die Winterreise“ D 911.
RIP – Oleg Maisenberg.