Franz Welser-Möst mit seinem Cleveland Orchestra im Wiener Konzerthaus

Der Musikdirektor des Cleveland Orchestra - Franz Welser Möst © Lukas Beck

Im nächsten Jahr, 2027, wird Franz Welser-Möst nach 25 (!) Jahren als Musikdirektor die Leitung des amerikanischen Cleveland Orchestra abgeben. Am 11. Oktober 2026, nach einem Konzert mit dem genannten Klangkörper im Brucknerhaus Linz, wurde der Topdirigent verdientermaßen mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. „Als ich meine letzte große Europatournee mit dem Cleveland Orchestra plante, wollte ich zeigen, wofür dieses Ensemble steht und seine außergewöhnlichen Qualitäten hervorheben.“, so der Dirigent im Vorfeld. Im Rahmen dieser Tournee – 15 Konzerte, 12 Städte, 9 Länder, 23 Tage – mit seinem absoluten Spitzenorchester, dirigiert er auch ein Konzert bei der Wiener Konzerthausgesellschaft.

Das Cleveland Orchestra gilt seit jeher als das „europäischste“ unter den amerikanischen Spitzenorchestern und ist von einer ganz spezifischen Klangkultur gekennzeichnet, von betonter Transparenz, bisweilen kammermusikalisch fein. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem österreichischen Musikdirektor, der den spezifischen Klang des Orchesters noch weiter verfeinert hat, war durch außergewöhnliche künstlerische Ansprüche geprägt, was auch im Konzert im Großen Saal des Wiener Konzerthauses wieder eindrucksvoll zu erleben war.

Neben meisterlichen Interpretationen im Konzert vor allem der Werke von Beethoven, Schubert, Brahms, Bruckner, Tschaikowsky, Mahler, Strauss, Sibelius, Strawinsky, Prokofieff und Schostakowitsch ist Franz Welser-Möst ein großer Förderer zeitgenössischer Musik. Der österreichische Komponist Bernd Richard Deutsch, geboren 1977, war Cleveland von 2018 bis 2020 als „fellow composer“ assoziiert und hat sein Orchesterwerk „Intensity“, komponiert 2029-2020, Franz Welser-Möst gewidmet, der es 2022 in der Severance Hall in Cleveland auch uraufgeführt hat. Seine Erstaufführung im Wiener Konzerthaus nach der österreichischen Erstaufführung im vergangenen Sommer bei den Bregenzer Festspielen erlebt das Werk nun im Konzert Welser-Mösts mit seinem Orchester am Abend des 17. Oktober 2026 – naturgemäß ist das im ersten Teil vorwärtsdrängende, im zweiten ruhige, im dritten wieder pulsierend bewegte, sehr ansprechende, an Energieausbrüchen reiche Werk bei diesen Interpreten in den besten Händen.

Zum Auftakt gab es zuvor noch die Symphonie Nr. 34 C-Dur KV 338, einem der letzten größeren, 1780 in Salzburg entstandenen Werke, von Wolfgang Amadeus Mozart. Das dreisätzige, formspezifische Werk, im zweiten Satz an eine Serenade, im dritten an ein Konzert erinnernd, wird in großer Besetzung gespielt. Zu Beginn wendet sich der Dirigent an das Publikum und erklärt, dass im Rahmen der Proben zur Uraufführung in Wien 1781 Mozart beglückt an seinen Vater geschrieben hatte, bei den Proben sind ihm 40 Violinen, 10 Kontrabässe und doppeltes Holz zur Verfügung gestanden. Den Intentionen Mozarts sollte mit dieser Aufführung also voll entsprochen worden sein.

Nach der Pause sind dann noch Franz Welser-Möst und ein hoch konzentriertes, wie gewöhnlich in allen Gruppen bestens disponiertes Cleveland Orchestra mit dem Hauptwerk des Konzertabends zu erleben, der „Sinfonia domestica“ F-Dur op. 35 für großes Orchester von Richard Strauss, entstanden 1804, uraufgeführt 1904 in der Carnegie Hall in New York unter der Leitung des Komponisten. Höchst sinnlicher Klangsensualismus pur prägt diese flüssig subtile Interpretation, der Dirigent ist voll in seinem Element, straff, mit virtuoser Schlagtechnik führt er das Orchester mit seinem ausgeprägt feinem, ebenso virtuosem Orchesterspiel, ungemein transparent wie ausgewogen strömt diese herrliche Musik in den Saal. Dem Klangzauberer Strauss wird alle Ehre erwiesen, das Orchester entfaltet seine ganze Farbenpracht, der heitere, genussvoll prunkvolle Klangrausch kann voll seine Wirkung entfalten. Hinter der Fassade eines häuslichen Familienidylls Strauss‘ verbirgt sich aber auch ein artifizielles Kunstwerk sondergleichen, lässt sich das Programm eines plakativen Familienporträts doch auch als Musik über Musik, als Schilderung eines Kompositionsprozesses deuten. Der Dirigent mischt der üppig reichen Schönheit auch eine gehörige Portion Wehmut bei, was die feine Interpretation ungemein bewegend wie ergreifend macht und das Werk um eine weitere Dimension bereichert. Jubel und stehende Ovationen für den Dirigenten und die Gäste aus Cleveland im Großen Saal des Wiener Konzerthauses.

Sanft wehmütig klingt dann auch zum Abschied die Zugabe, die „Mondscheinmusik“ aus dem Konversationsstück für Musik in einem Akt, „Capriccio“, von Richard Strauss.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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