Faszination Musik: Öffentliche Meisterklasse mit Franz Welser-Möst im Wiener Konzerthaus

Franz Welser-Möst © Julia Wesely

Gegründet 2018, ist oberstes Ziel der Orchesterakademie der Wiener Philharmoniker die künstlerische Ausbildung junger MusikerInnen im Rahmen der Nachwuchspflege. In einer öffentlichen Meisterklasse am 10. April 2026 im Schubert-Saal im Wiener Konzerthaus erarbeiten Mitglieder der Akademie mit einem der bedeutendsten, besten Dirigenten unserer Zeit, Franz Welser-Möst, das „Siegfried-Idyll“ von Richard Wagner.

Wagner komponierte das rund zwanzigminütige Orchesterwerk 1870 für seine Frau Cosima zur Erinnerung an die Geburt ihres ersten Sohnes Siegfried. Uraufgeführt wurde es im engsten Familienkreis am Weihnachtstag 1870, der zugleich Cosimas 33. Geburtstag war, auf einer Treppe in Wagners Landhaus Tribschen bei Luzern, wobei die engen Platzverhältnisse eine Kammerbesetzung (Flöte, Oboe, 2 Klarinetten, Fagott, 2 Hörnern, Trompete und Streichquintett) nötig machten, und die auch bei dem Gesprächskonzert verwendet wird. In der 1878 veröffentlichten und heute meistaufgeführten Fassung sind die Streicher mehrfach besetzt.

Franz Welser-Möst steigt zu Beginn gleich voll ein und lässt die junge Formation einmal spielen. Danach erklärt er im Wesentlichen, dass der Name dieser symphonischen Dichtung nicht nur mit Wagners Sohn zusammenhängt und eine Liebeserklärung an Cosima darstellt, sondern auch mit seinem Musikdrama SIEGFRIED, den dritten Teil der Tetralogie DER RING DES NIBELUNGEN, und der Komponist darin vornehmlich Motive aus diesem Werk für diesen „Liebesgesang in E-Dur, der Liebestonart“, verwendet.

Geduldig humorvoll erklärt der große Dirigent den jungen MusikerInnen das Werk, weist immer auf das Legato hin: „Weg mit den Taktstrichen“, lautet seine Vorgabe. Wagner selbst liebte nämlich schnelle Tempi, die für ihn, Welser-Möst, immer noch zu langsam seien.

Am Anfang muss sofort ein rascher Fluss zustande kommen – in der Bratsche und im Cello im Sinne einer jugendlichen Liebeserklärung“, so Welser-Möst. Und dieser Fluss ist ruhig bewegt, jede Tempobezeichnung ist ja auch eine Ausdrucksbezeichnung.

Um die Sehnsucht im Werk ausdrücken zu können, sollte man beim Spielen im Diminuendo ein Crescendo denken, um das Gefühl, es zieht einen immer weiter, so der Dirigent im Wesentlichen weiter.

Brünnhildes „Ewig war ich“ soll abgehoben, wie aus einer anderen Welt, klingen. Wenn Siegfried die Frau entdeckt, bitte „keine eing‘schlafene G’schicht‘“, das muss erregt klingen im Sinne eines „dolce“, das heißt, dabei ist eine süßliche Klangfarbe zu spielen. Und trotz des Festhaltenwollens des wunderbaren Moments im „Siegfried“: nicht den Schwung verlieren.

Wir sind ja eh in Wien: spiel’ns das mit einem leichten Walzerschwung, das ist dann leicht bewegt!

Um den Nachwuchs brauchen sich die Wiener Philharmoniker keine Sorgen zu machen“, dankt Franz Welser-Möst dann zum Schluss den sichtlich stolzen, jungen Leuten.

Beinahe eineinhalb pausenlose Stunden gehen wie im Flug vorbei. Die jungen MusikerInnen, für die ein solches Arbeiten mit einem der allerersten Dirigenten eine einzigartige Gelegenheit darstellt, zu lernen, haben viel gelernt. Und auch das begeisterte Publikum.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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