Ein schillerndes Klangbild aus der Feder des großen Klangsensualisten Richard Strauss mit seiner rattenfängerischen Orchestrierung ist seine symphonische Dichtung DON QUIXOTE, op. 35, Fantastische Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters, basierend auf dem gleichnamigen Roman des spanischen Dichters Miguel de Cervantes, komponiert in der Form einer Sinfonia concertante, für großes Orchester, mit einem Solocello, das die Figur des Don Quixote repräsentiert, sowie einer Solobratsche, welche die Figur des Sancho Pansa darstellt.
Unter Daniel Harding, gern gesehener Gast am Pult der Berliner Philharmoniker, in der Berliner Philharmonie am Freitag, den 6. März 2026, wird das ironische Werk wehmütig, melancholisch, ja im Grunde tieftraurig zum Besten gegeben. Das Orchester, man ist es nicht anders gewohnt, ist in allen Instrumentengruppen prächtig disponiert, die Solisten des Abends von erlesener Meisterschaft, wenngleich anders, als in diesem Werk sonst üblich. Ludwig Quandt, 1. Solocellist, hat auf einem Pult neben dem Dirigentenpult Platz genommen, sein Don Quixote hat von Beginn an resigniert und stirbt, es dominieren fein nuancierte, leise Töne auf seinem ungemein samtig gestrichenen Cello. Dieser wunderbare Musiker scheint am liebsten mit seinen Kollegen an den Celli im Orchester zu verschmelzen. Mit seiner introvertierten Interpretation versteht er es jedoch stark einzunehmen: dieser Mann ist wirklich ein „Ritter von der traurigen Gestalt“. Sancho Pansa – Diyang Mei, 1. Solobratscher – klingt, assistiert von Bassklarinette und Tenortuba, da extrovertierter, ungemein frech auftrumpfend und stark an diesem Abend, holt seinen Herrn wahrlich immer wieder auf den Boden der Realität zurück. Dann aber, nach ergreifenden vierzig Minuten, der Abschied, wo Don Quixote vollends resigniert – klar, edel, ausdrucksvoll und ungemein bewegend klingt nun das Cello von Ludwig Quandt: Abschied vom Dasein eines Verklärten. Dieser lyrische Ausklang mit den ersterbenden Bogenstrichen des Solocellos gehört nicht nur zu den stärksten Eingebungen von Strauss, hier gerät auch die abgeklärte Interpretation Quandts weit über das Alltägliche hinaus.
Vor der Pause noch die Ouvertüre zu TANNHÄUSER UND DER SÄNGERKRIEG AUF WARTBURG von Richard Wagner, mitreißend, berauschend gespielt und dirigiert von Harding und, anlässlich des 100. Geburtstages des Komponisten in diesem Jahr, eine mit großem Orchesterklang stark interpretierte BARCAROLA für großes Orchester von Hans Werner Henze, ein herb düsteres, existenzielles Werk, die griechische Mythologie beschwörend, wo das Orchester mit lyrischen Kantilenen ebenso zu überzeugen weiß wie mit martialischen Blechbläserfanfaren und brutal präzisem Schlagwerk.