ARIADNE AUF NAXOS – volltönend wieder an der Wiener Staatsoper

Anja Kampe (Ariadne) und Clay Hilley (Bacchus) in ARIADNE AUF NAXOS © Wiener Staatsoper / MIchael Pöhn

Eine Serie von ARIADNE AUF NAXOS, der Oper in einem Akt nebst einem Vorspiel, mit der Musik von Richard Strauss und dem Text von Hugo von Hofmannsthal ist an der Wiener Staatsoper im Februar 2026 zu erleben. In der dritten und letzten Vorstellung am 25. Februar 2026 geht`s stimmlich wie orchestral hoch her.

Es ist immer wieder beeindruckend, wie der rattenfängerische Klangsensualist Strauss im hymnisch gesteigerten Schluss der „Ariadne“ mit nur 36 MusikerInnen den Klang eines großen Orchesters zu suggerieren imstande ist. Wenn Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Cornelius Meister noch dazu so beherzt und kraftvoll aufspielt wie an diesem Abend, gerät dieser Umstand beinahe um eine Spur zu viel, bleiben feine Klangfarben und subtiler Orchesterklang an diesem Abend doch des Öfteren auf der Stelle.

Erforderlich für die herrliche Titelpartie dieser Oper ist ein schwebender, jugendlich-dramatischer Sopran, mit silbrigem Glanz und der Fähigkeit einerseits zum Jubel, andererseits zum Aufblühen in der Höhe, voll, sinnlich, reich an Farben, glänzend, kraftvolle Aufschwünge sollten kein Problem darstellen, mit sehr guter Tiefe und Mittellage ausgestattet. Anja Kampe verfügt im Grunde über all‘ diese Attribute, ihre Stimme ist jedoch zu groß, zu auftrumpfend, zu kräftig, zu voluminös und ausufernd für eine wirklich ausgefeilte, innige Gestaltung der Partie, obwohl sie sich nach Kräften gerade darum bemüht. Diese kleinen Einwände sollen die Leistung der Sängerin jedoch nicht schmälern: voll ausgesungene, strahlend leuchtende Bögen sind da zu vernehmen, die blühende Melodik von Richard Strauss strahlt in vollem Wagner-Pathos, man vermeint bisweilen, Brünnhilde habe sich nach Naxos verirrt.

An ihrer Seite besteht Clay Hilley hervorragend als Bacchus in der fordernden, hoch notierten Extrempartie. Leuchtend, mit Strahlkraft singt dieser echte Heldentenor, stemmt mit bombenfesten Stentortönen diese Partie. Als Zerbinetta bezaubert Erin Morley, vor allem mit ihren geläufigen, sicheren Koloraturen und behändem, quirligem Spiel; ihr Sopran klingt hell und leicht, wie ein im Frühlingserwachen trällerndes Vögelein. Engagiert, temperamentvoll, leidenschaftlich, singt Samantha Hankey mit volltönendem Mezzosopran den Komponisten. Rollendeckend besetzt sind der Musiklehrer mit Jochen Schmeckenbecher und der Tanzmeister mit Jörg Schneider. Nicht das Niveau, was man sich an einem ersten Haus wie der Wiener Staatsoper erwarten darf, erreichen bedauerlicherweise die drei Nymphen und das Herrenquartett um Zerbinetta. Bissig herrschaftlich spielt Bernhard Schir den Haushofmeister.

Die Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf – Bühne Rolf Glittenberg, Kostüme Marianne Gliottenberg, Licht Jürgen Hoffmann – zählt zu den besten Arbeiten des Regisseurs und erfüllt auch in der 43. Vorstellung alle Voraussetzungen: werkentsprechend, repertoiretauglich, aus der großartigen Musik entwickelt, berührend in Personenregie- und -führung, glücklicherweise ohne stückentstellende Verfremdungen.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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