Eine Ehrung für den Rückkehrer – Philippe Jordan im Wiener Konzerthaus

Philippe Jordan am Pult der Wiener Symphoniker vor Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse im Wiener Konzerthaus am 8. Januar 2026 © Thomas Rauchenwald

Mit der Symphonie Nr. 4 Es-Dur, der »Romantischen«, WAB 104, von Anton Bruckner kehrt Philippe Jordan am 8. Januar 2026 ans Pult seines ehemaligen Orchesters, der Wiener Symphoniker, und ins Wiener Konzerthaus zurück. Das Werk wird in der 2004 erschienenen, von Marcus Korstvedt herausgegebenen wissenschaftlichen Ausgabe der dritten Fassung von 1888 – nach dem Herausgeber betrachtete Bruckner diese Fassung als seine Endfassung – gespielt. Vom Einsatz des Solohorns über dem kaum wahrnehmbaren Streichertremolo zu Beginn und den Ausbrüchen des ersten Satzes, über den lyrischen Grundton des zweiten, die Jagdgesellschaft des dritten bis zur seelischen Zerrissenheit des vierten Satzes, gipfelnd in der apotheosen Finalcoda mit der Rückkehr der Hornquinte im Tutti der Bläser spannt Philippe Jordan mit dem hochmotivierten Orchester einen großen, starken Spannungsbogen, formt das Werk zu einer kompakten Einheit, das geheimnisvoll mysteriöse von Bruckners Musik strikt betonend, was auch das Publikum gebannt zuhören lässt. Leider lässt ihn das Solohorn bei seiner sehr gelungenen Interpretation mehrmals im Stich, für das zweite Konzert darf hier noch deutlich nachgeschärft werden.

Im unmittelbaren Anschluss an das Konzert wird dem Dirigenten auf dem Podium des Großen Saales vom Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, Christian Kircher, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse überreicht. Philippe Jordan ist seit dem Beginn seiner Tätigkeit als Chefdirigent der Oper Graz 2001 bis 2004 eng mit der Republik Österreich verbunden, vor allem als Chefdirigent der Wiener Symphoniker von 2014 bis 2020. Von 2020 bis 2025 bekleidete er die Position des Generalmusikdirektors an der Wiener Staatsoper und es ist wie vor nicht nachvollziehbar, warum die Verantwortlichen nicht danach getrachtet haben, ihn als solchen zu halten bzw. zu verlängern. In seiner bewegenden Laudatio betonte der Intendant des Wiener Konzerthauses, Matthias Naske, im Wesentlichen, dass Philippe Jordan im Konzerthaus für große Momente gesorgt und vor allem mit den Wiener Symphonikern musikalische Spuren hinterlassen hat. Dankesworte des Dirigenten und die „Fanfare pour prècèder La Pèri“ von Paul Dukas runden diese Ehrung ab.

Im ersten Teil des Konzertes vor der Pause erklingt noch eine mustergültige Interpretation des Konzertes für Klavier und Orchester Nr. 1 g-moll op. 25 von Felix Mendelssohn Bartholdy durch den kanadischen Pianisten Jan Lisiecki, der das Werk in seiner ganzen pianistischen Brillanz und kristallinen Klarheit erfasst. Gemeinsam mit dem Dirigenten und dem blendend aufgelegten Orchester ist für eine schwungvoll stürmische Wiedergabe gesorgt, die ihre Wirkung beim Publikum nicht verfehlt. Als kurze Zugabe gibt Lisiecki den Walzer gis-moll op. 39/3 von Johannes Brahms.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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