Ein Liederabend zum 80. Geburtstag von Helmut Deutsch

Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch am Klavier bei ihrem Liederabend am 12. Januar 2026 im Wiener Konzerthaus © Andrea Humer

Mit der großen Liedtradition des Hauses untrennbar verbunden, gibt es aus Anlass des 80. Geburtstages eines herausragenden Liedbegleiters und Lehrers einen Liederabend im Großen Saal des Wiener Konzerthauses: Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch interpretieren Lieder von Robert Schumann und Franz Liszt, letzterer erklärter Lieblingskomponist von Deutsch.

Im ersten Teil des anspruchsvollen, langen Programmes DICHTERLIEBE. Liederzyklus nach Gedichten von Heinrich Heine op. 48. Und schon vor der Pause schöpft Jonas Kaufmann mit seiner betörenden, immer dunkler werdenden Tenorstimme an diesem Abend aus dem Vollen. Faszinierend die höchst intelligente Textgestaltung des Tenors, die Transparenz seines Gesanges, die perfekte Stimmkontrolle und sein fein gesponnenes Legato. Der jugendliche Charakter der Dichtung steht im reizvoll fordernden Kontrast zur reifen Tenorstimme, wo nötig, ist diese Stimme sicher, ungemein stark, sitzt perfekt im Fokus. Zu Beginn klingt das Timbre Kaufmanns textimmanent noch frisch, mit zunehmender Melancholie und Leid der Dichtung gegen Ende bis zum Schluss wird die Stimme immer schwerer eingesetzt: eine große Interpretation des Zyklus ist da zu erleben – begleitet von einem kongenialen Mitgestalter am Bösendorfer-Flügel. Deutsch tritt in einen bewegenden Dialog mit Kaufmann, kommentiert, unterstützt, trägt weiter, was die Stimme zum Ausdruck gebracht hat. Dabei bleibt er immer diskret, subtil bis zum Äußersten, quasi ein alter Ego des Dichters, sprich der Stimme Kaufmanns. Jubel bereits zur Pause.

Nach der Pause zunächst die farbenprächtigen TRE SONETTI DI PETRARCA S 270 b in der zweiten Fassung, danach noch sieben ausgewählter Lieder von Franz Liszt. Kaufmann und Deutsch leisten damit einen wertvollen Beitrag, dass auch eine andere Seite der Musik Liszts lebendig gehalten wird. Auch hier besticht die hohe Kunst von Deutsch, der Singstimme immer ihren Raum zu geben, ohne jemals selbst am Klavier in den Hintergrund zu treten. Das, was an diesem Abend zu hören ist, ist Liedgestaltung in Reinkultur. Und in der gekonnten, gelungenen Interpretation des Liszt’schen Liederkosmos beweist Jonas Kaufmann, dass seine Stimme auch immer noch zu beeindruckender, gewaltiger Phonation in der Lage ist; Textverständlichkeit und das Transportieren von Stimmungen geraten auch im zweiten Teil dieses Liederabends vorbildlich.

Nach einer kurzen Laudatio von Kaufmann für den Jubilar gibt es noch drei Zugaben: Von Robert Schumann – Mondnacht, aus dem Liederkreis op. 39, Text von Joseph von Eichendorff, ungemein zart und berührend vorgetragen, und Stille Tränen, aus den Kerner-Liedern op. 35; zum Abschluss, von Franz Liszt, Es muss ein Wunderbares sein S 314. Zum Schluss stehende Ovationen.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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