Im vierten Konzert im Zyklus DIE GROSSE SYMPHONIE präsentieren sich die Wiener Symphoniker im Großen Saal im Wiener Musikverein in Bestform.
Das Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ und „Isoldes Liebestod“ von Richard Wagner formt und interpretiert Alexander Soddy derart stilkundig, dass man sich eine ganze Aufführung des großartigen Werkes unter diesem Dirigenten, einem ausgewiesenen Kenner des Opernrepertoires, wünscht: den verzehrend sehrenden Ton des ins Rauschhafte gesteigerten Vorspieles wie im „Liebestod“ die „faszinierende Wagnersche Kunst, tief empfundene Liebe gleichsam zu Musik werden zu lassen“ (Hartmut Krones) trifft er mit dem hervorragend aufgestellten Orchester genau.
Danach steht das Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 g-moll, op. 63 von Sergej Prokofjew auf dem Programm, ein sehr lyrisches, aber auch kontrastreich farbenprächtiges Werk. Der amerikanisch-deutsche Geiger Augustin Hadelich brilliert bei diesem Werk auf seiner Violine von Giuseppe Guarneri des Gesu aus dem Jahr 1744, bekannt als „Leduc, ex Szeryng“, ein herrliches Instrument, das sich vor allem durch seine volltönende Mittellage und Wärme des Klanges auszeichnet, indem er sich total von der Musik mitreißen lässt. Als Zugabe spielt der Solist, der jüngst ein Album mit amerikanischer Musik veröffentlicht hat, noch „Louisiana Blues Strut” von Coleridge-Taylor Perkinson.
Formklar und ebenso farbenprächtig ist auch das Werk, das im zweiten Teil des Konzertes gespielt wird, die Variationen über ein eigenes Thema für Orchester, op. 36, „Enigma-Variationen“, von Sir Edward Elgar. Repräsentiert das Thema der Variationen die Einsamkeit des schaffenden Künstlers? Hinter der populärsten und am meisten bewegenden Variation Nr. IX, „Nimrod“, Adagio, verbirgt sich gewiss wohl mehr als die Darstellung des mit Elgar befreundeten August Johannes Jaeger, eines passionierten Jägers mit innigen Zügen. Das Geheimnisvolle dieser Musik als auch die ganze Orchesterpracht lässt Soddy da hören, beweist von der zögerlichen Einleitung des „offiziellen“ Themas bis zum kraftvollen wie funkelnden Finale der letzten, dem Komponisten selbst gewidmeten Variation einen unfehlbar guten Geschmack. Hervorragend auch die Orchestersoli, vor allem Viola, Violoncello und Fagott.
In einem nach dem Konzert von Stephan Pauly moderierten Gespräch im Rahmen der Reihe „Auf ein Glas mit …. Gespräch über Musik und Gesellschaft“ im Gläsernen Saal / Magna Auditorium gibt Augustin Hadelich vor allem interessante Informationen über das Musikleben in Amerika, über die amerikanische Musiklandschaft mit ihrer vielfältigen, reichen Tradition: eine aktive Musikszene, nicht so geschichtsträchtig wie in Europa, beinahe zur Gänze privat finanziert.