„Bewegungen zwischen Himmel und Hölle“ – Salzburger Festspiele 2024

Salzburger Festspiele
Salzburger Festspiele © Thomas Rauchenwald

„Wir haben niemals ein Motto. Wir haben Gedanken, warum wir versuchen, etwas zu machen.“ – so Intendant Markus Hinterhäuser vor der Präsentation des Programmes für die Salzburger Festspiele 2024. Die Produktionen des kommenden Sommers reichen von der „Schönheit des Maßlosen“ bis zu „dämonischen Abgründen“, so Hinterhäuser weiter.

Eine umfassende Wiedergabe der 172 Aufführung an 44 Spieltagen in 15 Spielstätten würde die Berichterstattung auf diesem Blog sprengen, weshalb nur die am meisten spannenden herausgegriffen werden sollen. Was darf das Publikum nun 2024 in Salzburg erwarten?

Vorweg: Das auf den ersten Blick völlig unkonventionelle Programm wartet mit vielen für Salzburg neuen Stücken bzw. Werken auf. Dem Intendanten ist zu diesem Mut, was die Programmierung betrifft, höchster Respekt zu zollen.

Beginnen wir mit der Oper, wo absolute Grenzgänger, ja Revolutionäre im Zentrum stehen. Das Spektrum umfasst „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart (Teodor Currentzis/Romeo Castellucci) genauso wie „Les contes d’Hoffmann“ von Jacques Offenbach (Marc Minkowski/Mariame Clément). Die zentralen Opern im Sommer 2024 basieren auf Romanen von Fjodor Michailowitsch Dostojewski – „Der Spieler“ von Sergej Prokofieff (Timur Zangiev/Peter Sellars) und „Der Idiot“ von Mieczyslaw Weinberg (Mirga Grazinyte-Tyla/Krzysztof Warlikowski). Von den Pfingstfestspielen übernommen wird „La clemenza di Tito“ von Mozart (Gianluca Capuano/Robert Carsen). In konzertanten Aufführungen gibt es „Capriccio“ von Richard Strauss unter Christian Thielemann und „Hamlet“ von Ambroise Thomas, dirigiert von Bertrand de Billy. Nächstes Jahr also kein Werk von Giuseppe Verdi und, dieser Umstand überrascht am meisten, auch keines von Giacomo Puccini, obwohl die Musikwelt 2024 den 100. Todestag dieses großen italienischen Opernkomponisten feiert.

Eine neue Handschrift zeigt auch das Schauspiel unter der neuen Spartenchefin Marina Davydova, wo „ewige Fragen des Lebens erörtert“ werden sollen. Neben dem neuen „Jedermann“ (Robert Carsen), worüber auf diesem Blog bereits berichtet wurde, ist eine szenische Version von „Der Zauberberg“ von Thomas Mann zu sehen (Krystian Lupa, übrigens ein Lehrer von Warlikowski), ebenso gibt es eine neu erarbeitete Fassung der „Orestie“ (Nicolas Stemann), wofür Texte der drei antiken Autoren Aischylos, Euripides und Sophokles verwendet werden. „Sternstunden der Menschheit“ (Thom Luz) von Stefan Zweig, ebenso szenisch, runden das Schauspielprogramm ab.

Hochkarätiges verspricht auch der Konzertsektor, den Florian Wiegand verantwortet. Die Musikwelt feiert 2024 den 200. Geburtstag von Anton Bruckner – aus diesem Anlass stehen zwei besonders außergewöhnliche Konzerte ins Haus: Riccardo Muti dirigiert zum ersten Mal in seiner langen Dirigentenkarriere überhaupt in drei Konzerten mit den Wiener Philharmonikern das Gipfelwerk der Symphonik, Bruckners VIII. Symphonie; Kirill Petrenko steht am Pult seiner Berliner Philharmoniker mit Bruckners kontrapunktischem Meisterwerk, seiner V. Symphonie. Konträrere Interpretationsansätze als von Muti bzw. von Petrenko sind kaum denkbar; auffällig auch, dass der Jahresregent im Konzertprogramm nicht überpräsent ist. Weitere Dirigenten der Wiener Philharmoniker sind noch Herbert Blomstedt, Andris Nelsons, der seinen Zyklus mit den Symphonien von Gustav Mahler mit dessen IX. Symphonie fortsetzt, Gustavo Dudamel und Yannick Nezet-Seguin. Die Berliner Philharmoniker unter Petrenko interpretieren noch „Ma vlast von Bedrich Smetana, auch ein Jubilar 2024. Ebenso im Sommer 2024 in Salzburg gastieren soll Daniel Barenboim mit seinem West Eastern Divan Orchestra; Pittsburgh Symphony und der Bayerische Rundfunk kommen mit ihren „Chefs“ Manfred Honeck und Sir Simon Rattle, das Gustav Mahler Jugendorchester mit Ingo Metzmacher. Zum ersten Mal in Salzburg zu erleben sein wird Jungstar Klaus Mäkelä mit seinem Oslo Philharmonic Orchestra. Daneben gibt es die bewährten Mozart-Matineen und die Camerata-Reihe.

Kammerkonzerte, Liederabende und Solistenkonzerte runden das äußerst vielseitige, abwechslungsreiche, und – wie bereits gesagt – ungewöhnliche Programm ab. Es gibt einen Schwerpunkt auf einen weiteren Jubilar, Arnold Schönberg, dessen 150. Geburtstag 2024 ansteht. Namen wie Anne-Sophie Mutter, Elina Garanca, Pierre Laurent Aimard, Igor Levit, Alexandre Katorow, Evgeny Kissin, Grigory Sokolov, Andras Schiff, Alexei Volodos, Daniil Trifonov, Christian Gerhaher, Matthias Goerne, Julian Prégardien, Belcea Quartet, Quatuor Ebéne, um nur ein paar stellvertretend herauszugreifen, verheißen eindrucksvolle Konzerterlebnisse.

Last but not least darf auch noch auf die interessant programmierte „Ouverture spirituelle“, nächstes Jahr unter dem Motto „Et exspecto“ stehend, hingewiesen werden, wo die „Matthäuspassion“ von Johann Sebastian Bach (Teodor Currentzis), „Israel in Egypt“ (Sir John Eliot Gardiner) von Georg Friedrich Händel, „Begehren“ von Beat Furrer und an einem Abend konzertant „Il canto sospeso“ von Luigi Nono sowie „Il prigioniero“ von Luigi Dallapiccola (Maxime Pascal) gegeben werden. 

Salzburg 2024 verheißt jedenfalls wieder hoch spannendes (Musik)Theater wie interessant programmierte Konzerte.

Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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