Am 29. August 2026 steht die letzte Musiktheaterauführung der diesjährigen Salzburger Festspiele am Programm – COSI FAN TUTTE, Dramma giocoso in zwei Akten KV 588, Libretto von Lorenzo Da Ponte, Musik von Wolfgang Amadeus Mozart.
Regisseur Christof Loy hatte für die Corona-Festspiele 2020 eine pausenlose, gekürzte Fassung dieser „Schule der Liebenden“ erarbeitet. Das Fehlen einiger Nummern vermisste man doch schmerzlich, weshalb im Rahmen der Wiederaufnahme der Produktion bei den diesjährigen Festspielen das Stück glücklicherweise ungestrafft wiedergegeben wird. Wie vor sechs Jahren zieht die ungemein spielfreudige Aufführung von Beginn an in ihren Bann. Dort, wo ansonsten im Großen Festspielhaus bei szenischen Produktionen die Bühne beginnt, hört sie hier auch schon auf – eine überdimensionierte weiße Wand mit zwei Türen, die sich nur einmal im zweiten Akt für die Duettszenen öffnet und den Blick auf einen nächtlichen Garten – für die Irrungen der Gefühle von Mozart und seinem Librettisten Lorenzo da Ponte – mit einem riesigen Baum im Zentrum preisgibt. Der verkleinerte Orchestergraben davor ist hochgefahren, auf der Spielfläche bis zur erwähnten Begrenzung spielt sich das Drama ab: Loy arbeitet mit ungemein psychologisch fundierter Personenregie die Beziehungen der handelnden Personen deutlich, bisweilen abgründig stückimmanent heraus.
Aber man sieht dieser „Cosi“ nicht nur gerne zu, sondern lauscht auch gebannt der musikalischen Seite der Vorstellung am 29. August 2026. Für die letzten beiden Aufführungen für die schwangere Joanna Mallwitz eingesprungen ist der designierte Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz ab September 2027 und ehemalige Stimmführer der zweiten Violinen der Wiener Philharmoniker, Christoph Koncz. Sein Dirigat ist sehr gelungen, am Pult der Wiener Philharmoniker setzt er starke, eigene Akzente, musiziert mit Puls und Herzschlag der Musik Mozarts.
Und auch gesungen wird auf sehr hohem Niveau. Da ist zunächst die vorbildlich phrasierende, mit leuchtenden Bögen aufwartende Fiordiligi der Sopranistin Elsa Dreisig. Ihr nicht nachstehend agiert, mit dunklen Mezzofarben und volltönender Stimme ausgestattet, Victoria Karkacheva als Dorabella. Nach wie vor keck frech singt die anmutige Mezzosopranistin Lea Desandre die Despina, mittlerweile kann sich ihre Stimme im Großen Festspielhaus auch besser entfalten. Die Bühne der Herren dominiert mit virilem, starkem Bariton Andre Schuen als Guglielmo, gefolgt vom über echten gestalterischen Mozartgesang verfügenden Bogdan Volkov als Ferrando. Wegen eines Atemweginfektes kann Johannes Martin Kränzle die Rolle des Don Alfonso nicht singen. In Anbetracht der detailreichen Personenregie spielt er die Rolle auf der Bühne, Christopher Maltman singt die Partie aus dem Orchestergraben wunderbar mit starkem Bariton. Die Umsetzung dieser Doppelung gelingt glücklicherweise perfekt, weil man den Sänger im Graben im Grunde optisch nicht wahrnimmt. Nach wie vor steuert die von Jozef Chabron einstudierte Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor die kurzen Chorszenen aus dem Bühnenoff bei. Heftige Akklamationen des Publikums für das ganze Ensemble.