Eine durchwachsene Realisation: Mozarts REQUIEM szenisch in Aix en Provence

Die Ausführenden nach der Aufführung von Mozarts REQUIEM beim Festival d'Aix-en-Provence © Thomas Rauchenwald

Zum Auftakt einer kurzen Reise zum Festival d’Aix-en-Provence steht am 8. Juli 2026 im Theatre de l’Archeveche im Rahmen einer Wiederaufnahmeserie einer Produktion des Festivals d’aix-en-Provence 2019 das REQUIEM von Wolfgang Amadeus Mozart in der szenischen Version von Romeo Castellucci, der neben der Inszenierung auch für Bühne, Kostüme und Licht verantwortlich zeichnet, am Programm. Die Produktion ist in Koproduktion mit dem Adelaide Festival, dem Theater Basel, den Wiener Festwochen, dem Palau de les Arts Reina Sofia Valencia und La Monnaie/De Munt Brüssel entstanden.

Castelluccis Inszenierung des Fragmentes der Totenmesse KV 626 von Mozart in der vervollständigten Fassung von Franz Xaver Süßmayr, erweitert um weniger bekannte, geistliche Kompositionen von Mozart und Gregorianik ist, wie auch seine Inszenierung von Mozarts dramma giocoso „Don Giovanni“ bei den Salzburger Festspielen, ein Kunstwerk, eine Ode an das Leben. Diese szenische Fassung von Mozarts Totenmesse gerät opulent, mit zwischendurch hohem, ästhetischem Wert, lediglich bei manchen Sequenzen des Requiems, zum Beispiel im „Confutatis“, stört albern wirkendes Gehopse, obwohl die Choreografie von Evelin Facchini in Kombination mit der Dramaturgie von Piersandra di Matteo an sich gelungen mit dem Requiem-Text einhergeht. Die christliche Hoffnung auf Erlösung im Jenseits wird bei Castellucci zum notwendigen Neuanfang einer nächsten Generation: die Szene gilt nicht einem Individuum, sondern stellt den Chor als zentralen Protagonisten ins Zentrum der Szene.

Das aus Chor und Orchester bestehende Ensemble Pygmalion unter der Leitung von Raphaël Pichon agiert ungemein differenziert wie plastisch, überwältigend der Chor, der auch im Rahmen einer Bewegungschorografie Erstaunliches leistet. Lediglich die GesangssolistInnen, ausgenommen der klangfarbenreiche Alt von Beth Taylor, verfügen nicht über Festspielniveau, weil Mèlissa Petit (Sopran), Duke Kim (Tenor) und Alex Rosen (Bass) allzu leichtgewichtig und blass bleiben. Das Ergebnis gerät derart ein wenig durchwachsen, das Publikum feiert alle Mitwirkenden dennoch ausgiebig.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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