Zubin Mehta im philharmonischen Abonnement

Pinchas Zukerman als Solist und Zubin Mehta am Pult der Wiener Philharmoniker im Abonnementkonzert © Thomas Rauchenwald

Die in gegenseitigem, unerschütterlichem Vertrauen währende Beziehung zwischen dem großen Dirigenten und dem Orchester ist einmalig: Seit 1961, in über 65 Jahren, hat Zubin Mehta die Wiener Philharmoniker rund 400-mal dirigiert! Seit 2001 Ehrenmitglied des Orchesters, trägt Mehta unter anderem den ihm von Karl Böhm vererbten Nikisch-Ring, anlässlich seines bevorstehenden 90. Geburtstages bekam er vom Orchester den Swarowsky-Ring, benannt nach seinem Lehrer Hans Swarowsky, bei dem er an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien einst seine Dirigentenausbildung absolvierte, überreicht. Und was ihn wohl am meisten gefreut haben dürfte – dass ihn die Wiener Philharmoniker anlässlich seines folgenden Ehrentages zu einer Reihe von Konzerten ans Pult bitten, am 22. März 2026 auch in die philharmonische Matinee in den Großen Musikvereinssaal.

Wer meint, die Musik sei da nebensächlich, irrt gewaltig. Gewiss, seine Erkrankung zwingt den Dirigenten in den Rollstuhl, nur mühsam kann er mit Hilfe das Pult erklimmen. Hat er aber einmal auf seinem Hochsitz Platz genommen, siegt nicht nur der Geist über den Körper, sondern ereignet sich bei sparsamster Stabführung auch groß interpretierte Musik.

Den Auftakt macht die Ouvertüre zur Oper „Oberon“ von Carl Maria von Weber, wo Mehta und das Orchester die spukhaft romantische Traumwelt von Geistern und Fabelwesen in wunderbaren Orchesterfarben eindrucksvoll beschwören und zum Ausklang die Liebe jubelnd und überwältigend feiern.

Zu den effektvollsten, eingängigsten und beliebtesten Solokonzerten zählt das Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 g-moll op. 26 von Max Bruch. Gemeinsam mit dem blendend disponierten Orchester lässt es Pinchas Zukerman mit immer noch vollendetem Geigenton auf seinem herrlichen Instrument, der „Dushkin“-Gurneri-del-Gesù-Violine von 1742, erklingen; Empfindsamkeit, Gefühl und virtuose Brillanz prägen seine Gestaltung und Interpretation. In der berührenden Zugabe – das „Wiegenlied“ von Brahms auf der Violine – animiert Pinchas Zukerman das Publikum dann sogar zum Mitsingen.

Obwohl ernste, tragische Töne nicht fehlen, bestimmt schwungvolle Rhythmik und vorwärtsdrängende Leidenschaft den Charakter des Werkes, worin Richard Wagner sogar eine „Apotheose des Tanzes“ erblickte. Bestimmt, kräftig, ungemein gehaltvoll baut Zubin Mehta an diesem Vormittag die Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92 von Ludwig van Beethoven auf; getragen, aber voll von vibrierender, berstender Hochspannung lässt er das großartige Werk erleben. Das Orchester spielt mit äußerster Hingabe, Dirigent und Formation loten die Kontraste zwischen feiner Lyrik und überbordender Dramatik vollends aus. Wunderbar musiziert sind die Übergänge vor allem im zweiten Satz, im grandios mitreißenden Finale kommt es sogar noch zu einer gesteigerten Kraftentladung: so spielt man Beethoven in Wien.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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