Beethovens Utopie zum Jahresbeginn im Wiener Konzerthaus

Dima Slobodeniouk mit Heinz Ferlesch, die Wiener Symphoniker und die Wiener Singakademie, zu Jahresbeginn mit Beethovens IX. Symphonie im Wiener Konzerthaus © Thomas Rauchenwald

Traditionellerweise stehen im Wiener Konzerthaus zum Jahreswechsel – am 30. und 31. Dezember sowie am 1. Jänner – Aufführungen der Symphonie Nr. 9 d-moll op. 125 von Ludwig van Beethoven auf dem Programm. Am Pult der Wiener Symphoniker steht dieses Mal Dima Slobodeniouk, die Wiener Singakademie hat Heinz Ferlesch einstudiert.

Gerade in Zeiten wie diesen ist eine Auseinandersetzung mit Beethovens Menschheitswerk Balsam für die Seele, mag „der überschwängliche Jubel einer utopischen, alle Schranken des Herkommens überwindenden Menschheitsfeier im Zeichen von Freude und Liebe“, dieser revolutionäre Traum vom irdischen Paradies“ (Manfred Angerer) auch immer unerfüllt bleiben.

Dima Slobodeniouk am Pult des engagiert wie groß aufspielenden Orchesters bemüht sich am 1. Jänner 2026 um eine mitreißende, dynamische Interpretation, stellt sich ganz in den Dienst des Werkes, überzeugt mit seiner gelungenen Interpretation. Was die Tempokorrelationen betrifft, könnten die ersten beiden Sätzen etwas forscher, zügiger, kantiger geraten, im dritten Satz wäre ein mehr getragenes Tempo willkommen gewesen – Beethoven notiert Adagio molto e cantabile, nicht Adagio e molto cantabile. Diese Einwände sind jedoch gering gegen eine in sich durch und durch stimmige, erfüllte Wiedergabe dieses Meisterwerkes. Drive und Jubel des Finales mit Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ trifft seine starke Gestaltung dann genau.

Von seiner allerbesten Seite präsentiert sich der Chor: enorm plastisch differenzierter, großer Gesang ist zu vernehmen, weshalb den Damen und Herren die beste Leistung des Abends zu attestieren ist. In das Gesamtkonzept fügt sich auch das Solist:innenquartett tadellos ein: Christiane Karg (Sopran), Beth Taylor (Mezzosoran), Julian Prègardien (Tenor) und Alexander Grassauer (Bass). Langer, heftiger Applaus im Konzerthaus zu Jahresbeginn.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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