Tom Neuwirth ist LUZIWUZI im Rabenhof Theater

Tom Neuwirth alias Conchita Wurst als Erzherzog LUZIWUZI © Rabenhof Theater

Erzherzog Ludwig Viktor – oder „Luziwuzi“, wie er genannt wurde – galt als ein Exzentriker sondergleichen. Die Homosexualität des jüngsten Bruders von Kaiser Franz Joseph war ein offenes Geheimnis, lange Zeit wurde sein Lebensstil stillschweigend toleriert. Schließlich kam es zu einem handfesten Skandal, der mit der Verbannung des Erzherzogs vom Wiener Hof endete. Danach lebte der Erzherzog zurückgezogen auf seinem Besitz Schloss Kleßheim bei Salzburg, gegen Ende seines Lebens wurde er noch als „geisteskrank“ unter Kuratel gestellt und regelrecht interniert.

Im Rabenhof Theater in Wien hat Ruth Brauer-Kvam – unterstützt von Michaela Mandel (Bühne) und Alfred Mayerhofer (Kostüme) – das Leben dieses Sonderlings als etwas andere Art des Musiktheaters, als überaus gekonntes, schräges, schrilles musikalisch-theatralisches Happening unter dem Titel „LUZIWUZI. Ich bin die Kaiserin“ inszeniert. In der gelungenen Produktion, einer ausschweifenden Adelskomödie, bleibt allzu derber, ordinärer Humor glücklicherweise im Hintergrund. Für die Musik ist Kyrre Kvam verantwortlich, als kleines, peppiges Ensemble brillieren in jeweils mehreren Rollen Florian Carove, Gerhard Kasal und Sebastian Wendelin.

„Luziwuzi“ aber, wie er leibt und lebt, ist Tom Neuwirth alias Conchita Wurst: als queerer Erzherzog glänzt er auf den Brettern, die die Welt bedeuten, bereitet über hundert opulent ausschweifende Minuten pures Vergnügen: Standing Ovations vom begeisterten Publikum auch nach der Vorstellung am 28. Jänner 2026 für seine fulminante darstellerische wie gesangliche Gesamtleistung, die, neben aller Outriertheit, auch einer gewissen Galanterie nicht entbehrt. Insgesamt ein flippig hiper Abend, der ob der Tragik der Figur, die Neuwirth in dieser revueartigen Collage ebenso zu vermitteln imstande ist, aber auch nachdenklich stimmt. 

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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