Natur und Vögel: Ingo Metzmacher mit Musik von Olivier Messiaen im Wiener Konzerthaus

Der Bryce Canyon in Utah, USA, hat Olivier Messiaen stark zu seinen Orchesterwerk "Des canyons aux etoiles ..." inspiriert © Brent Bremer

Komponiert als Auftragswerk für die Zweihundertjahrfeier der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika, feiert Olivier Messiaen mit seinem längsten Orchesterwerk – DES CANYONS AUX ETOILES (VON DEN CANYONS ZU DEN STERNEN) – für Klavier, Horn, Xylorimba, Glockenspiel und Orchester von 1971/1974 – nicht die moderne Zivilisation der USA, sondern die ursprüngliche Schönheit der amerikanischen Natur. Das wohl farbenprächtigste Orchesterwerk Messiaens ist in der Behandlung des nicht allzu großen Orchesters stets kammermusikalisch transparent – und ist am 16. Januar 2026 im Wiener Konzerthaus mit dem erweiterten Klangforum Wien Orchestra unter der Leitung von Ingo Metzmacher, der sich konsequent für die Musik vor allem des 20. und 21. Jahrhunderts einsetzt, unter Mitwirkung von Christoph Walder, Horn, Johannes Piirto, Klavier sowie Lukas Schiske und Alex Lipowski (Schlagwerk), zu erleben.

Messiaens Meisterwerk ist fordernd – 100 pausenlose Minuten höchst komplexer, vielschichtiger Musik, zwischendurch melodiös fließend, dann wieder staccatoartig blockhaft. Metzmacher holt das Äußerste aus der Formation heraus, breitet das Werk in seiner ganzen Kontemplativität ungemein spannend aus: die schimmernd schillernde Pracht des Orchestersatzes leuchtet in funkelnder Farbigkeit, strahlt in dieser gelungenen Interpretation, gekonnt changierend zwischen gedämpft und klar wie schrill und perkussiv. In zwei Stücken für Klavier solo brilliert auch der Pianist: wie immer singen bei Messiaen, der ja auch ein begeisterter Ornithologe war, die Vögel. Die Verherrlichung der Natur als Wunder Gottes: am Schluss, wenn Zion Park et la Citè cèleste (Zion Park und die himmlische Stadt) erreicht sind, beim Nachhall des Glockenspiels, herrscht Freude, wähnt man sich trunken von dem Farbenrausch, den dieses Stück des Synästhetikers Messiaen evoziert. Im Bryce Canyon et les rochers rouge-orange (Bryce Canyon und die orange-roten Felsen), wenn der blau-schwarze Diademhäher über den Canyon fliegt, war der Komponist durch das Blau des Vogelfluges und das Rot der Felsen an die Pracht gotischer Glasfenster erinnert: die Auseinandersetzung mit Messiaen hat wieder einmal ungemein gelohnt. Das Blog-Foto zeigt dieses Mal nicht die Ausführenden, sondern die fantastischen Formen des Bryce Canyon, des größten Naturwunder Utahs, das Messiaen bei der Komposition dieser „Sternschluchten“ zu seinen rauschhaften Tönen inspiriert hat.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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