Unter der Intendanz von Nikolaus Bachler kehren die Berliner Philharmoniker mit den diesjährigen Osterfestspielen nach Salzburg zurück. Auf dem Programm des Chorkonzertes II steht die Symphonie Nr. 8 für Soli, Knabenchor, zwei gemischte Chöre und Orchester von Gustav Mahler.
Es besteht eine innere Verbindung zwischen den beiden Teilen des riesenhaft besetzten Werkes, dem Pfingsthymnus des Abtes Hrabanus Maurus aus Fulda und dem Schluss von „Faust II“ von Johann Wolfgang Goethe. Goethe kannte und schätzte diesen Text und interpretierte „Veni creator spiritus“ („Komm, Schöpfer Geist“) als Appell an das Genie zum kreativen Schaffen, womit eine direkte Brücke zu „Faust II“ geschlagen ist, mit den berühmten Engelschor-Worten „Wer immer strebend sich bemüht / Den können wir erlösen“, was auch Mahlers Lebensthema war, so Malte Krasting im Wesentlichen in seinem Text „Mosaik einer Weltanschauung. Gustav Mahlers geistige Prägung“ als Originalbeitrag für die Programmhefte der Stiftung Berliner Philharmoniker. Bleibt noch zu ergänzen, dass – im Hinblick auf die Erlösung – Mahlers VIII. Symphonie auch für eine Aufführung am Karfreitag passt, wie bei den diesjährigen Osterfestspielen in Salzburg am 3. April 2026.
Das Riesenwerk erlebt dann auch eine monumentale, denkwürdige Aufführung. Die in Bestform angetretenen Berliner Philharmoniker werden unterstützt von Jacquelyn Wagner (Sopran I / Magna peccatrix), Sarah Wegener (Sopran II / Una poenitentium), Liv Redpath (Sopan / Mater gloriosa), Beth Taylor (Alt I / Mulier Samaritana), Fleur Barron (Alt II / Maria Aegyptiaca), Benjamin Bruns (Tenor / Doctor Marianus), Gihoon Kim (Bariton / Pater ecstaticus) und Le Bu (Bass / Pater profundus) als GesangssolistInnen, dem Rundfunkchor Berlin (Justus Barleben), dem Bachchor Salzburg (Michael Schneider), dem Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor (Wolfgang Götz und Regina Sgier) und dem Tölzer Knabenchor (Marco Barbon). Am Dirigentenpult steht Kirill Petrenko – und der lässt wahrlich den Kosmos tönen mit seiner durch und durch strukturellen, klaren, glänzend hymnischen Interpretation. Meisterhaft, mit enormer Kraft und Elan, dieser Dirigent scheint bei seiner fulminanten Arbeit unter Strom zu stehen, bündelt er Orchester- und Chormassen, so einen ungeheuren Drive und Sog wie zum Schluss des ersten Teiles erlebt man selten bei diesem Werk. Romantisches Schwelgen wohnt dieser an Transparenz kaum zu überbietenden Interpretation nirgends inne, bisweilen wären weniger Schärfe und etwas gedämpfte, weniger grelle Akzente, vor allem beim gestochen gleißenden Blech, zwar mehr gewesen, den Gesamteindruck trüben diese geringen Einwände jedoch keineswegs. Hymnisch, überirdisch gerät dann der mystische Ausklang des zweiten Teiles, ein Wunder an orchestralem Fluss und differenziertem Chorgesang. Die besten Leistungen, was die SolistInnen betrifft, sind vom innig fließenden Sopran von Jacquelyn Wagner, vom satten Alt von Beth Taylor, vom stentorhaft heldischen Tenor von Benjamin Bruns und vom flexibel warmen Bass von Le Bu zu vernehmen.
Ovationen am Karfreitag im Großen Festspielhaus.