Seit der Saison 2021/22 präsentiert das französische Streichquartett Quatuor Èbène – Pierre Colombet und Gabriel Le Magadure (Violine), Marie Chilemme (Viola) und Yuya Okamoto (Violoncello) – gemeinsam mit dem Belcea Quartett einen Zyklus im Wiener Konzerthaus und stehen im Mozart-Saal am 13. November 2025 Werke von Joseph Haydn, Maurice Ravel und Johannes Brahms auf dem Programm.
Der Abend beginnt mit dem 1797 entstandenen Streichquartett G-Dur, Hob. III/75, von Joseph Haydn, das in einfach prächtiger Spielkultur und perfekt aufeinander abgestimmtem Zusammenspiel wiedergegeben wird. Besonders gelingen vor allem der zweite Satz, ein bereits an die Stimmung der mittleren Quartette von Ludwig van Beethoven gemahnendes Adagio sostenuto, wie das augenzwinkernd grimmige, spritzige Finale. Allegro man non troppo.
Darauf folgt das Streichquartett F-Dur, entstanden 1902-1903, aus der Feder von Maurice Ravel, des Komponisten einziger Gattungsbeitrag. In Anlehnung an die Tonsprache Claude Debussys ist hier ein Werk entstanden, das harmonisch kühn, rhythmisch stark und gleißend, feurig, jugendlich, durchzogen von Licht und Duft der südwestfranzösischen Atlantikküste, daherkommt. Die Formation begeistert das Publikum mit seinem auffallend warmen, feinen, dabei schnörkellosen Spiel wie einer idiomatischen Umsetzung des mannigfaltigen Werkes wie aus einem Guss bereits vor der Pause.
Im zweiten Teil des Konzertes gesellt sich zum Quartett, das auf edlen italienischen, alten Instrumenten, die von Gönnern zur Verfügung gestellt werden, spielt, der britische Klarinettist Julian Bliss, ein ungemein vielseitiger Musiker auf seinem Instrument. Gegeben wird das Klarinettenquintett h-moll op. 115, entstanden 1891, von Johannes Brahms, ein herrliches Werk gleichrangig neben dem Klarinettenquintett von Wolfgang Amadeus Mozart stehend, geschrieben für den Klarinettisten Richard Mühlfeld. Auch hier besticht das ungemein konzentrierte, perfekt aufeinander abgestimmte, betont transparente Musizieren der Streichquartettformation, in das sich das betörend timbrierte Instrument des Bläsersolisten ganz und gar harmonisch einfügt, ergänzt, unterstützt, nie aufdringlich dominiert. Vor allem der zweite Satz, wo der Klang der Klarinette hervorgehoben wird, verdeutlicht, weshalb das lange Werk immer emphatisch und enthusiastisch gelobt wird.