Die 1946 gegründeten Bamberger Symphoniker haben schon auf Grund ihrer Historie – das Orchester setzte sich früher zu einem Großteil aus Musikern zusammen, die in der Nachkriegszeit wegen der Benes-Dekrete aus Böhmen, Mähren und dem Sudentenland vertrieben wurden – einen besonderen Hang zur tschechischen Musik. Mit solcher gastiert die Formation, die seit den Ehrentitel Bayerische Staatsphilharmonie trägt, nun im März 2026 mit ihrem Chefdirigenten seit 2016, Jakub Hrusa, für zwei Konzerte im Großen Saal des Wiener Musikvereins.
Zu Beginn des ersten Konzertes am 25. März 2026 ist das packende Konzert für Violoncello und Orchester h-moll op. 104 von Antonin Dvorak zu erleben. Das Orchester mit seinem runden, dunklen, typischen Klang begeistert – genauso wie die Solistin Julia Hagen, die von der Gesellschaft der Musikfreunde in der Saison 2025/26 in den Fokus genommen ist, auf ihrem edlen Instrument, einem Cello von Francesco Ruggieri aus Cremona von 1684. Die junge österreichische Cellistin, Tochter von Clemens Hagen, vermag mit ihrem ungemein starkem, herb kraftvollem Cellospiel, dem auch ein samtig gefühlvoller Ton innewohnt, zu beeindrucken. Als Interpretin spürt sie mit viel Energie und voller Poesie dem Geist des Komponisten nach, der mit diesem absoluten Meisterwerk eine herzzerreißende Erinnerung voll inniger Trauer und Betroffenheit über den Tod seiner Schwägerin geschaffen hat. Lang in Erinnerung bleiben wird der magische Dialog der Solistin mit den speziell gefärbten Holzbläsern im zweiten Satz. Dem Publikumsjubel folgt eine Zugabe – der dritte Satz, Intermezzo ed Danza Finale, aus der Suite für Violoncello solo von Gaspar Cassado.
Auch nach der Pause kommen unter Hrusa ebenso alle Vorzüge des Orchesters zur Geltung, allein verfügen die beiden gespielten Werke – Suita rustica, op. 19, von Vitezslava Kapralova, und die Symphonie Nr. 2 von Bohuslav Martinu – bedauerlicherweise bei weitem nicht über die außerordentliche Qualität des vor der Pause gespielten Stückes. Dem Publikum hat’s dennoch gefallen, Dirigent und Orchester bedanken sich mit einem ungemein stimmig gespielten Furiant aus der Oper „Die verkaufte Braut“ von Bedrich Smetana.
Schwere menschliche Erschütterungen – kurz hintereinander starben drei Kinder des Komponisten – waren der Anlass für die Komposition des Stabat mater op. 58. Diese Marienklage, die das Leiden um den Tod des Sohnes besingt, von Antonin Dvorak steht als einziges am Programm des zweiten, pausenlosen Konzertes am 26. März 2026. Hrusa und sein Orchester werden dabei vom Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde, einstudiert von Johannes Prinz, unterstützt, der zwar, wie gewohnt, durch plastisch differenzierten Chorgesang besticht, es an diesem Abend jedoch etwas an Textverständlichkeit vermissen lässt. Dirigent, Orchester, Chor und SolistInnen vermögen den Wechsel von monumentalen Chorpartien und zarter Lyrik umzusetzen, das durch und durch persönliche, bewegende Werk berührt an diesem Abend eigenartigerweise wenig. Hrusa findet zu einer episch breiten, symphonischen Interpretation, erlaubt sich aber auch zu heftig gesteigerte, opernhaft dramatische Ausbrüche; das dreifache Piano, mit dem das Werk feierlich sphärisch ausklingen sollte, kommt im Mezzoforte daher, mehr subtile Lyrik wäre angebracht gewesen. Die VokalsolistInnen bilden ein homogenes Ensemble, was Kraft und Stärke ihrer Stimmen betrifft, ausdrucksstark gesangvoll klingt aber nur der schön geführte Bass von Jan Hnyk. Aufgeboten sind noch der scharfe Sopran von Katerina Knezikova, Jarmila Vantuchova, deren Alt erst gegen Schluss zu fließenden Gesangslinien findet, und der expressive, aber blechern tönende Tenor von Daniel Matousek. Insgesamt eine solide Aufführung eines großen Chorwerkes im Musikverein vor Beginn der Karwoche.