Nach umjubelten Auftritten im Concertgebouw in Amsterdam mit der Symphonie Nr. 8 c-moll WAB 108, entstanden 1887/1890, in der Fassung von Robert Haas aus 1939, geht der finnische Dirigent Klaus Mäkelä mit dem Koninklijk Concertgebouw Orkest, das international auch unter „Royal Concertgebouw Orchestra“ firmiert, und bei dem er im September 2027 die Funktion des Chefdirigenten übernimmt, mit diesem Stück auch auf kurze Tournee nach Köln, Luxembourg und Hamburg. SIMPLY CLASSIC hat das Konzert am 11. Februar 2026 in der Elbphilharmonie in Hamburg besucht.
Anton Bruckner selbst hat sein monumentales Werk als „Mysterium“ bezeichnet. Wie würde sich der junge Dirigent nun diesem überragenden Meisterwerk, das Sergiu Celibidache als den „Gipfelpunkt der Symphonik“ bezeichnet hat, und das einen Dirigenten nicht nur technisch, sondern auch intellektuell bis ins Letzte fordert, stellen?
Klaus Mäkelä begegnet dem großartigen Werk mit dem nötigen Ernst, wo auch Ehrfurcht mitschwingt, stellt sich komplett in den Dienst der Musik. Nichts an dieser Interpretation, für die er sich 90 Minuten Zeit nimmt, wirkt aufgesetzt, keine Ritardandi, Accelerandi oder Crescendi um des Effektes willen, demütig interpretiert er das Werk in seiner ganzen Pracht und Komplexität, die Musik scheint nur so aus dem jungen Mann zu fließen. Die Strukturen des Werkes immer vor Augen, baut er diese gigantische Klangkathedrale auf. Die erratischen Blöcke stehen nicht nebeneinander, sondern werden gekonnt miteinander verbunden, gehen ineinander über: wie ein Organist zieht der junge Dirigent sämtliche Register des Werkes.
Das Orchester folgt ihm – auf Stuhlkanten sitzend musizierend – bereitwillig wie begeistert und offenbart seinen ganzen Klangreichtum, seine volle, herrliche ocker-bronzefarben schimmernde Orchesterpalette. Die Formation ist an diesem Abend in allen Instrumentengruppen einfach bestens disponiert, herausgreifen mag man den vollendet runden Klang der Hörner, die markige, nie derbe Pauke und die samtig gestrichenen Celli.
Die ersten beiden Sätze nimmt Mäkelä bisweilen sehr sanft. Schon mit den ersten Takten im einleitenden ersten Satz, Allegro moderato, gelingt es ihm jedoch, eine ungeheure Spannung aufzubauen, klagend, schon unheimlich das Ende des Satzes, die „Totenuhr“ (Bezeichnung Bruckners). Der tragische Akzent wird im zweiten Satz, Scherzo: Allegro moderato, forsch betont, um im Trio den „deutschen Michel“ so richtig schwärmerisch mild daherkommen zu lassen. Ab dem dritten Satz, Adagio: Feierlich langsam, doch nicht schleppend, dominiert dann ganz großer, herrlicher Bruckner-Klang. Die endlosen Weiten dieses wohl innerlichsten langsamen Satzes aus Bruckners Oeuvre trifft Mäkelä auf den Punkt, man schwebt förmlich in der ELPHI, gerade für solche raumakustischen Erlebnisse wurde er Große Saal in der Elbphilharmonie konstruiert. Und im vierten Satz, Finale: Feierlich, nicht schnell, gelingt es dem Dirigenten nachvollziehbar zu machen, dass dieser Satz die Krönung nicht nur dieser Symphonie, sondern auch des Lebenswerkes von Bruckner darstellt. Mit seinem Können, seinem Klangsinn und auch seiner Fantasie ist Klaus Mäkelä dem bruckner’schen Mysterium auf der Spur. Vor der gewaltigen Coda hält er inne: die Leuchtkraft, mit der er diese dann ausbreitet, förmlich herausschießen lässt, überwältigt.
Stehende Ovationen in der ELPHI für das Orchester und den Dirigenten, die Mäkelä mit bereits gelockerter Fliege entgegennimmt. Das Orchester wird mit seinem designierten Chef bestimmt noch viel Freude haben.