Als Vorstandsvorsitzender der Wiener Konzerthausgesellschaft verbindet er seit 2013 seine leidenschaftliche Liebe zur Musik mit trefflichem organisatorischem wie kaufmännischem Geschick – Matthias Naske. SIMPLY CLASSIC hat mit ihm vor dem Jahreswechsel noch ein Gespräch über das Spezifische an der Institution Wiener Konzerthaus geführt.
Ich bin dankbar und glücklich für dieses Haus, dessen Leitung mir nach wie vor – ich befinde mich jetzt im dreizehnten Jahr – sehr viel Freude bereitet, arbeiten zu dürfen. Zudem liebe ich die Menschen, die für dieses Haus tätig sind. Wir arbeiten auf der Basis unterschiedliche Fachbereiche exzellent abdeckender Persönlichkeiten im Team: beherzte SpezialistInnen stehen flexibel mit hoher Bereitschaft für die Vielfalt unseres musikalischen Geschehens, weil jeder Kulturbetrieb langfristig nur noch dienstleistungsorientiert arbeiten kann. Wichtig ist, dass unsere Mitarbeiter:innen auch wissen, warum sie etwas machen, deshalb informiere ich sie immer wieder über die Strukturen des Vereins sowie über die hohe Eigenwirtschaftlichkeit des Hauses.
Eine enorme Herausforderung war natürlich die Coronazeit, wo das Haus über 300 Tage geschlossen war. Das dadurch irritierte Publikum ist aber wieder gekommen, wir sind heute genauso publikumsstark wie vor der Pandemie, weil die Lebendigkeit unserer Planung unter Verortung der Tradition viele Antworten auf die Sehnsüchte der Menschen in dieser Stadt gibt.
Unser Haus ist im Kern ein klassisches Haus mit exzellenter Akustik. Den Mozart-Saal halte ich für einen der besten Konzertsäle für Kammermusik auf der Welt, auch die besten Künstler:innen halten ihn für einen der akustisch besten Räume dieses Genres, ebenbürtig der Wigmore-Hall. Was den Großen Saal betrifft, hat dieser, später entstanden als der Große Musikvereinssaal mit seiner Schuhschachtelform und seiner exzellenten Akustik, vielleicht mehr Luft und Raumvolumen, sein größerer Raum entspricht vielleicht der großen Orchesterdynamik eher, wenn es um die Aufführung sehr groß besetzter Werke – zum Beispiel Mahlers VIII. Symphonie oder Schönbergs Gurre-Lieder – geht. Auch ist der Klang bei uns vielleicht etwas freier. Beide Häuser haben ihre spezifischen akustischen Qualitäten, Wien ist hier wirklich privilegiert, über zwei so akustisch ausgezeichnete Säle zu verfügen. Unterschätzt sollen aber auch nicht die kleineren Räume werden, wie der Schubert-Saal, wo zum Beispiel in einer speziellen Serie – „klangberührt“ – auch Menschen mit Behinderung ein sicheres wie tolerantes veranstalterisches Ambiente gegeben wird. Gefragt nach meinem Lieblingsort im Konzerthaus, zeigt sich das Haus – der einzige Konzertbau des Büros Fellner & Helmer, eine enorm starke und visionäre logistische Durchdringung – am schönsten im sog. „Engelschor“ oberhalb der Orgel, da hat man den besten Blick in den Großen Saal.
Will man junge Menschen an klassische Musik heranführen, ist am Ende die kommunikative Kraft und die künstlerische Authenzität entscheidend – diese singuläre Konstellation des Wahrnehmens musikalischer Qualität in dem Augenblick, wo sie passiert. Dazu müssen die jungen Leute aber in so ein Haus wie das Konzerthaus hineingeführt werden, wo sie sich wohlfühlen. Jeden muss es aber irgendwann einmal treffen. Wege, sie über ein strukturiertes Angebot, wo sie „die gerichtete Aufmerksamkeit lernen können“, wie der Dichter und Philosoph Günther Anders, der eine Schrift über die Phänomenologie des Hörens verfasst hat, gesagt hat, hineinzuführen, gibt es genug. Solche Türöffner sind zum Beispiel Künstler wie der Pianist Vikingur Olafsson, mit durchaus anspruchsvollen Programmen, oder der Dirigent Klaus Mäkelä. Wir müssen die Menschen einladen, das Erlebnis des fokussierten Hörens zu lernen – in einem Haus, wo sie Vertrauen haben!
Ausblicke? Was ich schon sagen kann, ein Saisoneröffnungsfest wie im September 2025 wird es auch zu Beginn der nächsten Saison wieder geben, mit Pittsburgh Symphony und Manfred Honeck. Die nächste Saison 2026/27 wird natürlich dem Jahresregenten 2027 – Ludwig van Beethoven Rechnung tragen. Auch wird wieder Oper konzertant in den nächsten Saisonen zu hören sein. Und als Nachfolger vom Hagen Quartett werden zwei junge Quartette – das Leonkoro Quartett und das Simply Quartet – vom Schubert-Saal in den Mozart-Saal übersiedeln.
„Musik ist eine heilige Kunst!“? Es ist die Frage, was man unter Heiligkeit versteht. Die Musik ist ein ganz wichtiger Teil unseres Menschseins. Wir tun gut daran, der Musik Raum in unserem Leben zu geben. Ich freue mich über jedes gelungene Konzert. „Jedes gelungene Konzert ist ein gelungenes Wunder!“ – dieses Zitat stammt vom Pianisten Geza Anda. Es braucht aber immer auch die Wechselwirkung mit einem aufmerksamen Publikum.