DIE WALKÜRE unter Herbert von Karajan neu auf Vinyl

Herbert von Karajans epochale "WALKÜRE" neu auf Vinyl, erschienen bei der DGG © Thomas Rauchenwald

Herbert von Karajans epochale Aufnahme von Richard Wagners DIE WALKÜRE, des ersten Tags des Bühnenfestspiels DER RING DES NIBELUNGEN, liegt nun in einer audiophilen Vinyl-Edition in einem 5 LP-Boxset vor, das die Deutsche Grammophon Gesellschaft in ihrer „Original Source Serie“ veröffentlicht hat.

Winifred Wagner schrieb 1967 persönlich an Karajan: „Mein besonderes Kompliment gilt dem Orchester, das großartig seine Aufgabe bewältigte, das Sie zum idealen Erklingen brachten, dabei die dramatischen Höhepunkte und die lyrischen Stellen so herrlich zum Erklingen brachten. Höhepunkte für mich bedeuteten ihre Gestaltung der Winterstürme, der Fricka-Szene, der Wotanserzählung und sein Abschied! Für diese Wiedergabe mein begeisterter Dank!“

Bei den wirklich Großen wirkt alles völlig ungezwungen. Ein Akkord am Phrasenende wird nicht angeordnet, sondern bringt die Linie zu einem ganz natürlichen Abschluss. Bei Karajan konnte man sich immer darauf verlassen, dass er Farbe und Stimmung einer Melodielinie genau erfassen und im Orchester aufgreifen würde. Einen Sänger konnte er damit regelrecht beflügeln.“, so Josephine Veasey, die Fricka der gegenständlichen Einspielung.

Diesen Bemerkungen ist auch fast 60 Jahre nach den Aufnahmen des Werkes in den Monaten August, September und Dezember 1966 in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin nichts hinzuzufügen.

Laut Richard Osborne hat man Karajan nachgesagt, er habe seine SängerInnen gebeten, wie InstrumentalistInnen zu singen, und seinen InstrumentalistInnen gesagt, sie sollten wie SängerInnen spielen.

Das Orchester, die Berliner Philharmoniker in absoluter Bestform, lassen unter der Leitung des Dirigenten ein Orchesterhochfest allerersten Ranges hören. Strahlkraft, Leuchtkraft, Transparenz, Sinnlichkeit, aber auch lyrische Akzente wie dramatische Kraft prägen dieses Orchesterspiel allerhöchster Kultur wie Qualität. Die Sängerinnen und Sänger integriert Karajan wunderbar in diesen herrlichen, bis zur rauschhaften Opulenz gesteigerten Orchesterklang, lässt sie dabei aber in diesem wundervoll abgerundeten Klangbild nie in den Hintergrund treten.

Die Aufnahme glänzt denn auch mit einer herausragenden Besetzung. Für Sieglinde hat Karajan Gundula Janowitz aufgeboten, man hat nie mehr so eine junge, frische, silbrige, vor allem lyrische Wälsungentochter gehört. Jon Vickers trumpft als ihr Bruder Siegmund mit immens heldischen Tönen auf, verfügt aber auch über einen wunderschönen Stimmklang in den Mezza-voce-Passagen. Martti Talvela ist ein bedrohlicher, schwarzfarbiger Hunding. Thomas Stewart gestaltet Wotan mit Erhabenheit, Würde und einem Höchstmaß an vornehmer Diktion; überragend sein strömend gesungener, bewegender Abschied von seiner Lieblingstochter. Josephine Veasey gibt, wie schon gesagt, Fricka – mit Leidenschaft, Verletztheit und Stolz ist sie in der großen Szene ihrem Göttergatten eine echte Gegenspielerin. Und schließlich verleiht Règine Crespin der Rolle der Brünnhilde jugendliche Weiblichkeit, Wärme und Menschlichkeit – eine Sängerin von hoher stimmlicher Klasse, Karajan war sich sicher, mit ihr eine echte Nachfolgerin für die Französin Germaine Lubin gefunden zu haben.

Die Aufnahme überwältigt auch heute noch. Und wie das britische Klassikmagazin „Gramophone“ einmal treffend formuliert hat, hält Karajans Aufnahme „noch immer Überraschungen bereit“.

Richard Wagner, DIE WALKÜRE. Erster Tag des Bühnenfestspiels DER RING DES NIBELUNGEN, Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan, DGG 486 8731, Limited Edition 0108/2400.

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Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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