ARIADNE auf dem Mars bei den Salzburger Festspielen – ein szenisches Fiasko

Christina Nilsson (Ariadne) und Eric Cutler (Bacchus) in ARIADNE AUF NAXOS © Salzburger Fetspiele / Thomas Aurin

Das Geheimnis des Lebens tritt an sie heran, nimmt sie bei der Hand, und sie bestellen sich eine Affenkomödie, um das Nachgefühl der Ewigkeit aus ihrem unsagbar leichtfertigen Schädel fortzuspülen!“: diese edlen Worte richtet der Komponist im Vorspiel von ARIADNE AUF NAXOS an den Musiklehrer, nachdem er erfahren musste, dass nach der Uraufführung seiner heroischen Oper im Palais des reichsten Mannes von Wien noch ein Lustspiel gegeben werden soll.

Besonders an den Begriff „Affenkomödie“ wird man unwillkürlich bei Betrachtung der Neuinszenierung des Werkes bei den Salzburger Festspielen von Ersan Mondtag erinnert. Der auf den Feldern bildende Künste und Theater arbeitende, interdisziplinäre Künstler, der seit ein paar Jahren auch Opernregie führt, siedelt die obgenannte Oper in einem Aufzug nebst einem Vorspiel op. 60 mit der Musik von Richard Strauss und dem Libretto von Hugo von Hofmannsthal in einer futuristischen Welt auf dem Mars an. Aus dem reichsten Manne Wiens bei Hofmannsthal wird der heutige, reichste Mann der Welt: der Regisseur möchte dem zeitgenössischen Publikum einen Spiegel vorhalten, werden doch die Reichsten der Reichen immer reicher und unempathischer gegenüber ihren Mitmenschen, bleiben am liebsten unsichtbar, ändern oft und unvorhersehbar ihre Meinung, haben ein angespanntes Verhältnis zur Zeit und sind davon überzeugt, dass mit Geld alles möglich ist. Ariadne und Bacchus begegnen sich hier zwischen Verlust, Verwandlung und Sehnsucht nach einem neuen Leben. Soweit ein nicht uninteressanter, nicht unspannender Ansatz, der allerdings äußerst mangelhaft wie stümperhaft sowie durch und durch unästhetisch ausgeführt ist. Der Komponist erinnert an Harry Potter, mutiert in der Oper zur Frau, während Zerbinettas großer Szene tummeln sich kopulierende Gestalten, Ariadne ist ein Girlie mit grellroten Haaren, Bacchus ähnelt einem Kapitän aus der Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“, Echo schwebt in einem hässlichen Fettkostüm über der Szene, natürlich dürfen Tänzerinnen und Tänzer, die permanent von den Protagonisten und der Handlung ablenken, nicht fehlen. Die aktuelle Neuproduktion der Salzburger Festspiele wird als Unsinnswust in die Annalen der Festspielgeschichte eingehen, und sind mehr Worte darüber gar nicht zu verlieren. Ersan Mondtag, neben der Regie auch für die Ausstattung verantwortlich, und sein Team – Franck Evin (Licht), Ashley Alexandra Wright (Choreographie), Alexander Panniere (Video) und Till Briegleb (Dramaturgie), haben das Werk offensichtlich missverstanden und die großartige Musik als störend empfunden.

Ob dem Gezeigten darf nicht verwundern, dass die ursprünglich für die Titelpartie vorgesehene Elina Garanca ihre Mitwirkung an der Produktion abgesagt hat, ist sie doch „zu der Erkenntnis gelangt, dass es mir nicht gelingt, eine ausreichende künstlerische und emotionale Verbindung zu dieser Rolle zu finden, die ich für eine überzeugende und wahrhaftige Darstellung auf der Bühne als unerlässlich erachte“, wie sie selbst bekennt. Die für sie eingesprungene, junge schwedische Sopranistin Christina Nilsson macht ihre Sache jedoch sehr gut, gefällt mit silbernem Sopran und fein gezogenen Linien, schönen Aufschwüngen in die Höhen und überhaupt mit einer bereits ungemein stimmlich reifen Interpretation der Rolle.

Sehr gute Gesangsleistungen erbringen auch Kate Lindsey als jugendlich leidenschaftlicher, volltönender Komponist wie Christoph Pohl als ungemein präsenter Musiklehrer. Eric Cutler als metallisch blecherner Bacchus fällt dagegen etwas ab. Herausragend ist die junge chinesische Sopranistin Ziyi Dai als koloraturen- wie höhensichere, quirlige Zerbinetta. Vom Schauspieler Johannes Silberschneider in der Sprechrolle des Haushofmeisters durfte man sich mehr erwarten, vor allem eine deutlichere Rezitation. Die kleinen Partien sind stimmlich allesamt solide besetzt.

Gemeinschaftliche Bruderarbeit im schönsten Einvernehmen herrscht am 14. August 2026 im Haus für Mozart im Graben. Die von Rainer Honeck am Konzertmeisterpult angeführten, hervorragend disponierten Wiener Philharmoniker werden von Manfred Honeck, seit 2008 Musikdirektor des Pittsburgh Symphony Orchestra, dirigiert. Und der schwelgt im üppigen Strauss-Klang, nimmt sich Zeit, lässt die herrliche Musik wunderbar strömen, arbeitet die Solostimmen mustergültig heraus, lässt das Orchester seinen ganzen silbrig schimmernden Prachtklang entfalten. Am Schluss, wo Strauss mit 36 Musikerinnen und Musikern den Klang eines großen Orchesters suggeriert, vermag er mit seiner Gangart nahezu zu überwältigen.

Fazit: ARIADNE AUF NAXOS ereignet sich nur im Graben, gerät szenisch leider zum Fiasko. Für Salzburger Festspiele wohl deutlich zu wenig.

Themenschwerpunkte
Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

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