Andris Nelsons begeistert mit Gustav Mahler im philharmonischen Abonnement

Andris Nelsons am Pult der Wiener Philharmoniker im sechsten Abonnementkonzert 2025/26 © Thomas Rauchenwald

Mit Werken von Mozart, Dvorak, Kurtag, Strauss, Sibelius, Bartok und Mahler auf dem Programm begeben sich die Wiener Philharmoniker und Andris Nelsons demnächst zur traditionellen Philharmoniker-Woche nach New York. Vor der Abreise liegt auch ein New Yorker Programm auf den Notenpulten der Matineè im sechsten Abonnementkonzert im Großen Saal des Wiener Musikvereins.

Andris Nelsons hat eine besondere Affinität zur Musik von Gustav Mahler, die er schon oft unter Beweis gestellt hat. Mit hingebungsvoller Freude animiert er das blendend disponierte, von Anfang an in Hochform agierende Orchester zu einer ungemein spannungsgeladenen, hervorragend gelungenen Wiedergabe der Symphonie Nr. 1 D-Dur von Gustav Mahler, die als Hauptwerk den zweiten Teil des Konzertes bildet. Bei der Aufführung wird der Stimmensatz der Erstausgabe von 1899 verwendet, der vom Orchester bereits bei der Erstaufführung 1900 benutzt wurde.

Nahezu orchestrale Perfektion ist bereits im ersten Satz zu hören, kontrapunktische Klarheit wird angestrebt, glücklicherweise nie auf Kosten der starken Emotionalität dieser Musik. Auch die pastorale Grundstimmung einer unbeschwerten Frühlingswelt – das Hauptthema ist dem ersten Lied aus Mahlers eigenen „Liedern eines fahrenden Gesellen“ entnommen – des Satzes stell sich nachdrücklich ein.

Im zweiten Satz erwächst der Musik eine besondere Spannung wie Zwiespältigkeit und werden deren kindliche Freude wie aufgeputschter Überschwang deutlich von Nelsons akzentuiert.

Den Beginn der Trauermarsch-Persiflage im dritten Satz spielt der Solobass allein, wie von Mahler notiert, das Solo von Herbert Mayr gerät grandios, überhaupt wird die quälende Stimmung des dritten Satzes sehr gut eingefangen. Stark betont kommt die Klezmer-Einlage daher, und in der Erhellung, wo Mahler erneut aus dem oben bezeichneten Liederzyklus zitiert, erzielt der Dirigent eine besonders bewegende Wirkung.

Überschwänglich gesteigert, zwingend gestaltet, dann das Finale. Die Topform des Orchesters hält unentwegt an, die leidenschaftliche Entwicklung schwankt zwischen kontrollierter Ekstase und gedämpfter Wildheit. Zwischendurch hört man berührende, schwebende Passagen, der virtuose Höhepunkt am Schluss entfaltet eine ungeheure Wucht. Frenetischer Publikumsjubel für eine besonders starke Interpretation eines sehr beliebten Werkes.

Vor der Pause verblüfft der Pianist Lang Lang mit einer technisch virtuosen, ungemein brillanten Wiedergabe des Konzertes für Klavier und Orchester Nr. 3 von Bèla Bàrtok, der es allerdings an der nötigen Tiefe und Wärme fehlt: die perkussiv motorischen Teile gelingen dem Pianisten ungleich besser als die lyrisch-gesanglichen Abschnitte.

Themenschwerpunkte
Portait Thomas Rauchenwald
Thomas Rauchenwald
Autor des Blogs „Simply Classic“

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert