Die Programmdramaturgie des fünften Abonnementkonzertes der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Daniel Harding mutet etwas merkwürdig an. Auf Richard Strauss DON JUAN. Symphonische Dichtung op. 20 – brillant, rasant, bisweilen laut und lärmend gespielt – folgt die Symphonie Nr. 49 f-moll Hob. I:49 „La Passione“ von Joseph Haydn, ein eher schwermütiges, düsteres Werk, in herbstlich Pastellfarben modelliert. Vielleicht wäre es zwingender gewesen, diesen symphonischen Klagegesang an den Beginn des Konzertes zu setzen und danach zu Strauss „Tod und Verklärung“ überzugehen?
Nach der Pause als Hauptwerk DON QUIXOTE. Fantastische Variationen über ein Thema ritterlichen Charakter für großes Orchester op. 35 von Richard Strauss, die Solisten kommen aus dem Orchester – Peter Somodari (Cello) und Tobias Lea (Bratsche). Das reizvolle, rattenfängerisch orchestrierte Werk des Klangsensualisten Strauss erklingt in seiner ganzen Üppigkeit und Klangpracht, Daniel Harding führt das sehr gut aufgestellte Orchester souverän durch die Partitur, lässt, wo nötig, die raffinierte Illustrationsmusik schillern, findet aber auch den richtigen Ton für das Finale und Don Quixotes Tod, einen lyrischen Abgesang; wunderbar klar, edel, resignativ klingt da das Orchester. Die letzte Inspiration, eine stärkere persönliche Note fehlt dieser Interpretation, was auch für die beiden Solisten gilt. Kurzer, starker Applaus im Großen Musikvereinssaal an diesem Nachmittag.