Den Beginn des Konzertes am 25. November 2025 des Helsinki Philharmonic Orchestra unter seinem Chefdirigenten und Künstlerischen Direktors seit 2023, Jukka-Pekka Saraste, macht als Erstaufführung im Wiener Konzerthaus „Songs of the Ice“ der finnischen Komponistin Outi Tarkainen, ein kurzweiliges, 2019 entstandenes Orchesterwerk über das Eis, gewidmet dem 2014 für tot erklärten Okjökull-Gletscher, Islands erstes Opfer des Klimawandels.
Danach nimmt der finnische Violinist, Dirigent und Komponist Pekka Kuusisto das Publikum für sich ein – nicht nur durch sein schräg sympathisches Auftreten, sondern auch mit volltönendem, knackigem Spiel auf seiner edlen Antonio-Stradivari-Geige „ex-Sanders“, Cremona 1695, als Solist im Konzert für Violine und Orchester D-Dur, entstanden 1931, von Igor Strawinski, ein an Bach erinnerndes, in der Tradition des Concerto grosso stehenden Werkes. Der vielseitige Künstler bedankt sich mit zwei Zugaben – eigene Bearbeitungen von „Emigrantvista“ von Jan Johansson und „Markkinamarssi“ von Arto Järvelä.
Das Hauptwerk nach der Pause, die Symphonie Nr. 1 e-moll op. 39 von Jean Sibelius, wurde 1899 von der Formation uraufgeführt und ist das Orchester hier naturgemäß vollkommen in seinem Element. Zügig, forsch, zwingend führt Jukka-Pekka Saraste durch die zerklüftete, dennoch stimmige Partitur; das gemeinsame Musizieren dieses Werkes versprüht reine Freude. Idiom und Ton dieses herben Werkes, wo man wie in fast allen Orchesterwerken von Sibelius die finnische Natur und Landschaft hört, treffen Saraste und sein Orchester genau: gleich einem rhapsodischen Gesang lässt der Dirigent das Stück strömen, gesteigert zu pathetischer Klangfülle und düsterer Großartigkeit.
Erst nach zwei Zugaben, ebenfalls von Jean Sibelius – „Barden“. Tondichtung op. 64 und „Finlandia“ op. 26, der musikalischen Verherrlichung der finnischen Heimat – geht ein durch und durch inspirierendes Konzert mit überwiegend nordischen Kompositionen zu Ende.