Im letzten Konzert im Zyklus Klavier gibt sich im Großen Saal des Wiener Konzerthauses der 1972 in St. Petersburg geborene vielfach preisgekrönte Arcadi Volodos mit einem romantischen Programm – Schubert, Schumann und Liszt – die Ehre.
Im Zentrum der pianistischen Auseinandersetzung steht ein nicht so häufig gespieltes Werk – die Davidsbündlertänze. 18 Charakterstücke op. 6 von Robert Schumann, entstanden 1837, wobei es sich um echte Programmmusik handelt, deren Programm nach dem Willen des Komponisten jedoch nicht bekannt wurde, wo Verzweiflung und Glück eng beieinanderstehen, als Spiegelung jenes quälenden Lebensabschnittes, in der der Komponist hin und hergerissen war zwischen Liebesglück und Verzicht auf seine große Liebe, Clara Wieck. Die ganze Ambivalenz dieser Stücke erfasst Volodos mit seinem brillanten Klavierspiel auf herausragende Art und Weise, seine Pianistik changiert zwischen artifiziell, lyrisch und aufrauschend, Virtuosität, den Selbstzweck betreffend, nie zur Schau stellend. Die verschiedenen, stimmungsschwangeren Gefühle scheinen unter seinen Fingern zu atmen, werden mit kraftvoll singendem Ton wiedergegeben, höchste Dramatik steht neben subtilen Anschlagsnuancen, die Gestaltung ist echt, durch und durch romantisch. An Höhepunkten herausgreifen lassen sich die Abschnitte Zart und singend, Wie aus der Ferne und der fließende Ausklang Nicht schnell. Danach brilliert der Pianist am mächtig aufrauschenden Steinway noch mit einer eigenen Bearbeitung der Ungarischen Rhapsodie Nr. 13 a-moll S244/13 von Franz Liszt. Nach heftigen Akklamationen bedankt sich der Künstler noch mit drei Zugaben von Rachmaninoff, Schubert und Bach beim begeisterten Publikum.
Eröffnet wurde der Abend vor der Pause mit einem Werk aus der Feder von Franz Schubert, der 1825 entstandenen Sonate a-moll D. 845. In der betont knorrigen Interpretation, die beinahe hölzern, trocken wie gleichsam sperrig wirkt, überzeugen die lyrischen Abschnitte, die Volodos immer wieder aufblühen bzw. singen lässt, am meisten; beeindruckend auch der mit höchster Ruhe wie Spannung ausmusizierte zweite Satz Andante poco moto, Schuberts einziger Variationssatz einer Klaviersonate. Auch dieses zwischen Verzweiflung und Freude changierende, im Grunde durch und durch düsteren Werk erfasst Volodos mit seiner harten wie zwischendurch gefühlvollen Interpretation zur Gänze. Der Virtuose Volodos hat wieder einmal auch mit höchster Sensibilität überzeugen können.